Gemeinsam gegen den Klimawandel
Net-Zero
Trotz der globalen Klimaziele des Pariser Abkommens von 2015 steigen die Treibhausgas-Konzentrationen weiter. Laut sechstem IPCC-Bericht darf die Atmosphäre ab 2020 nur noch 400 Gigatonnen CO₂ aufnehmen, um die Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen. Bei aktuellen Emissionen von 42,2 Gt CO₂ pro Jahr wäre dieses Budget bereits vor 2030 aufgebraucht. Die Folgen wie Hitzewellen, Extremwetter und steigende Meeresspiegel sind bereits spürbar. Um die schlimmsten Auswirkungen zu vermeiden, müssen die globalen Emissionen bis 2030 halbiert und bis 2050 Klimaneutralität erreicht werden. Net-Zero unterstützt dieses Ziel durch:
- 90 % Emissionsreduktion bis 2050 (Scope 1–3)
- Kompensation der verbleibenden maximal 10 % Restemissionen durch dauerhafte Neutralisierung
Mit Science-Based Targets (SBTs) setzen Unternehmen wissenschaftlich fundierte Klimaziele im Einklang mit dem 1,5 °C-Pfad. Der Net-Zero-Standard der Science Based Targets initiative (SBTi) zeigt den Weg zu einem Netto-Null-Unternehmen bis spätestens 2050 und stellt sicher, dass Maßnahmen auf aktueller Klimaforschung basieren.
Die DFGE unterstützt Unternehmen von der Emissionsanalyse bis zur Net-Zero-Strategie: von der Definition relevanter Daten und Emissionsquellen über maßgeschneiderte Reduktionsziele bis zur Umsetzung und SBTi-Validierung. Als erster offizieller Science Based Targets Partner des CDP in der DACH-Region begleitet DFGE Unternehmen aus DAX, MDAX und Mittelstand bei der Einführung wissenschaftsbasierter Klimaziele.
- Whitepaper: Net-Zero
- Artikel: SBTi & Net-Zero
- Artikel: SBTi Net-Zero Standard 2.0
- Case Study: Harro Höfliger
- SBTs mit der DFGE
- Science-Based Targets Initiative
Net-Zero Services
- Validierung des Corporate Carbon Footprint (CCF)
- Prüfung auf Konformität der Net-Zero-Kriterien der SBTi (Near-Term Ziel, Long-Term Strategie)
- Prognostizierung der Emissionsentwicklungen basierend auf geeigneten Wachstumskennzahlen
- Unterstützung bei der Auswahl der passenden Zielkorridore
- Finale Definition und Berechnung eines validen Einsparungsziels
- Ausarbeitung der Long-Term-Net-Zero-Szenarien
- Ökonomische Bewertung der Neutralisationsmaßnahmen für die verbleibenden Emissionen (Residual Emissions)
Der Weg zu Net-Zero
Die vier Schlüsselelemente des Net-Zero Standards
Der Weg zu Net-Zero folgt einem klaren, wissenschaftlich fundierten Prozess. Die Science-Based Targets initiative (SBTi) hat vier zentrale Bausteine definiert, die Unternehmen auf dem Pfad zu Net-Zero begleiten:
Near-Term SBTs
5–10-Jahres-Ziele im Einklang mit dem 1,5°C-Pfad
- Zweck: Sofortige Emissionsreduktion als Meilenstein auf dem Weg zu Net-Zero.
- Reduktion der Scope-1- und Scope-2-Emissionen um mindestens 4,2 % pro Jahr (1,5°C-Pfad).
- Scope-3-Emissionen müssen ebenfalls adressiert werden (mindestens „Well-below 2°C“).
- Iterativer Prozess: Alle 5 Jahre müssen Ziele überprüft und ggf. verschärft werden.
Warum wichtig: Near-Term-Ziele sind nicht optional – sie bilden die Grundlage für langfristige Erfolge und sorgen für schnelle, messbare Fortschritte.
Long-Term SBTs
Net-Zero bis spätestens 2050 – mit klarer Roadmap zum 1,5°C-Pfad
- Zweck: Langfristige Ausrichtung auf vollständige Dekarbonisierung.
- 90 % Reduktion der Emissionen in Scope 1–3 bis spätestens 2050.
- Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten für Scope 3 Reduktionen, evtl. sogar Neuausrichtung des Produktportfolios, Einsatz zukünftiger Technologien wie Kreislaufwirtschaft oder CO₂-arme Technologien
Warum wichtig: Long-Term-Ziele sichern die Zukunftsfähigkeit Ihres Unternehmens – und zeigen Stakeholdern, dass Sie Klimaschutz ernst nehmen.
Reduzierung / Neutralisation außerhalb der Wertschöpfungskette
Zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen – freiwillig, aber empfehlenswert
- Zweck: Über die eigene Wertschöpfungskette hinaus
- Diverse Möglichkeiten wie REDD+-Projekte (Schutz von Wäldern), Investitionen in Direct Air Capture (DAC) oder Geological Storage, Förderung erneuerbarer Energien in Entwicklungsländern.
Warum wichtig: Die SBTi empfiehlt sie, um globale Klimaziele zu unterstützen und klimafreundliche Technologien auszubauen und zu fördern. Diese Maßnahmen ersetzen keine eigenen Reduktionen – sie sind zusätzlich.
Neutralisation der Restemissionen
Ausgleich unvermeidbarer Emissionen – erst nach maximaler Reduktion
- Zweck: Letzte 10 % der Emissionen neutralisieren, die sich nicht weiter reduzieren lassen.
- Es geht dabei um eine dauerhafte Entfernung von CO₂ aus der Atmosphäre, z. B. durch:
- Carbon Capture and Storage (CCS) oder Aufforstung oder Moorrenaturierung (biogene Methoden).
Warum wichtig: Erst nach maximaler Reduktion (min. 90 %) kommt die Neutralisation ins Spiel – das garantiert Glaubwürdigkeit.
FAQ | Net-Zero, Klimaneutralität & Co. – was bedeutet das?
1. Was ist der Unterschied zwischen Net-Zero, Klimaneutralität und CO₂-Neutralität?
Die Begriffe klingen ähnlich, doch es gibt wichtige Unterschiede – besonders für Unternehmen, die ihre Klimastrategie ernst nehmen wollen. Wir stellen sie hier vereinfacht dar. Weitere Informationen gibt es auf der IPCC Website.
Net-Zero (Netto-Null-Emissionen) ist der strengste und wissenschaftlich fundierteste Ansatz. Hier werden alle Treibhausgasemissionen (gemäß Kyoto-Protokoll) durch Entnahme und dauerhafte Speicherung aus der Atmosphäre ausgeglichen. Der SBTi Net-Zero Standard verlangt dabei, dass Unternehmen mindestens 90 % ihrer Emissionen reduzieren, bevor die verbleibenden 10 % durch Kompensation neutralisiert werden dürfen. Erst dann darf ein Unternehmen sich als Net-Zero bezeichnen. Dieser Ansatz ist langfristig angelegt und wird durch unabhängige Validierung abgesichert.
Klimaneutralität beschreibt einen Zustand, in dem menschliche Aktivitäten keinen Nettoeffekt auf das Klimasystem haben – also ein Gleichgewicht zwischen ausgestoßenen und gebundenen Emissionen besteht. Der entscheidende Unterschied zu Net-Zero: Es gibt keinen einheitlichen Standard, der definiert, wie viel reduziert und wie viel kompensiert werden muss. Während Net-Zero klare Regeln vorgibt (z. B. die 90/10-Regel der SBTi), bleibt Klimaneutralität oft vage – was das Risiko von Greenwashing erhöht, wenn Unternehmen ihre Ziele nicht transparent kommunizieren.
CO₂-Neutralität (oder Carbon Neutrality) bezieht sich nur auf Kohlendioxid (CO₂) – nicht auf andere Treibhausgase wie Methan oder Lachgas. Obwohl der Name es suggeriert, umfasst die ISO-Norm 14068 für CO₂-Neutralität tatsächlich alle Treibhausgase (gemäß Kyoto-Protokoll). Daher ist in der deutschen Übersetzung auch manchmal die Rede von Treibhausgasneutralität.
Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website.
2. Was bedeutet "klimapositiv" – und ist das wirklich besser als Net-Zero?
Ein Unternehmen oder eine Aktivität gilt als klimapositiv, wenn es mehr Treibhausgase aus der Atmosphäre entfernt, als es selbst verursacht. Eigentlich wäre der Begriff „klimanegativ“ präziser, da die Bilanz dann im negativen Bereich liegt. Doch weil „negativ“ oft mit etwas Schlechtem assoziiert wird, hat sich der positivere Begriff durchgesetzt. Anders als bei Net-Zero gibt es für „klimapositiv“ keine offiziellen Definitionen oder Validierungsstandards. Während die SBTi klare Regeln für Net-Zero vorgibt (z. B. 90 % Reduktion vor Kompensation), kann sich jedes Unternehmen selbst als klimapositiv bezeichnen. Daher ist die Empfehlung für eine glaubwürdige Klimastrategie, sich erst Reduktionsziele nach den SBTi-Kriterien zu setzen, bevor über Klimapositivität nachgedacht wird.
3. Warum gibt es so viele unterschiedliche Net-Zero-Claims?
Lange Zeit fehlten klare Vorgaben – und das führte zu Verwirrung. Bis 2021 gab es keine einheitlichen Standards für Net-Zero. Viele Unternehmen nutzten die Begriffe Net-Zero, klimaneutral oder CO₂-neutral in ihrer Kommunikation, ohne dass es verbindliche Kriterien gab. Oft wurden dabei nur Scope 1 und 2 berücksichtigt, während die deutlich größeren Scope-3-Emissionen ignoriert wurden. Das führte zu einer Flut an unterschiedlichen Claims.
Erst 2021 brachte die SBTi mit ihrem Net-Zero Standard Klarheit: Nun gibt es verbindliche Regeln, wann ein Unternehmen sich Net-Zero nennen darf. Auch die ISO-Norm 14068 (2023) für CO₂-Neutralität half, mehr Transparenz zu schaffen. Trotz der Standards nutzen einige Unternehmen weiterhin eigene Definitionen oder unklare Formulierungen. Daher sind validierte SBTi-Ziele ein anerkanntes Gütesiegel.
4. Kann ein Unternehmen Net-Zero erreichen, ohne Scope 3 zu berücksichtigen?
Nach dem SBTi-Net-Zero-Standard ist das nicht möglich – und das aus gutem Grund: Scope-3-Emissionen (indirekte Emissionen aus Lieferkette, Produkten und Dienstleistungen) machen in den meisten Branchen 70–90 % der gesamten Klimabilanz aus. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) gibt es eine Schonfrist: Sie müssen ihre Scope-3-Emissionen zwar nicht sofort in ihre Near-Term-Ziele einbeziehen. Aber spätestens für die Net-Zero-Ziele bis 2050 sind auch sie verpflichtet, Scope 3 zu berücksichtigen.


