Klimarisiko- und Chancenanalyse
Der Klimawandel wirkt in zwei Richtungen auf Unternehmen: physische Risiken (Extremwetter, schleichende Veränderungen) und transitorische Risiken (Politik, Technologie, Markt, Reputation). Beide beeinflussen Umsätze, Kosten, Vermögenswerte, Finanzierungskosten und Lieferketten – und werden zunehmend von Aufsicht, Banken, Investoren, Versicherern und Kunden eingefordert.
Die CSRD wirkt als systemischer Treiber: Berichtspflichten und Klimarisikoanforderungen wandern entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Banken über Versicherer bis zu Kunden und Lieferanten. Wer Klimarisiken strukturiert erhebt und szenariobasiert bewertet, macht daraus einen Steuerungsvorteil statt reiner Berichtspflicht.
Eine Klimarisikoanalyse (CSRD-Bezug: ESRS 2 / IRO-1, SBM-3 und ESRS E1-2 / E1-3 und E1-11) ist daher nicht nur Compliance, sondern Grundlage für Resilienz, Kapitalallokation und Finanzierbarkeit. Die DFGE unterstützt Unternehmen von der Identifikation und Wirkungskettenlogik über Szenario- und Quantifizierungsmethoden bis zur Integration in das Enterprise Risk Management (ERM) und das Reporting.
- Delegierte Verordnung: (EU) 2026/1563
- Blogpost: The Value of Early Climate Risk Analysis
- Blogpost: The contribution of climate risks and opportunities analysis on the way to enhanced climate resilience
- Blogpost: Auflösung der TCFD und ihre Konsequenzen
- Whitepaper: CSRD und klimabezogene Nachhaltigkeitsberichterstattung
- Whitepaper: Climate Risks and Opportunities
- TCFD Website

Physische und transitorische Klimarisiken und Chancen verstehen
Klimarisiken wirken durch das jeweilige Geschäftsmodell und nicht als separate Risikoart. Analysiert werden sie daher entlang zweier Achsen: physische und transitorische Risiken – jeweils mit der Frage, über welche Wirkungsketten sie Umsätze, Kosten und Vermögenswerte beeinflussen.
Wichtig: ESRS und die meisten Rahmenwerke verlangen Risiken und Chancen. Die gleichen Treiber, die Risiken erzeugen (z. B. CO₂-Preise, veränderte Nachfrage, Anpassungsbedarf), eröffnen auch Marktchancen – etwa effizientere Produkte, Resilienzdienstleistungen oder neue Absatzmärkte. Eine Climate Risk Analysis sollte daher immer auch die Chancenseite mitdenken.
Physische Risiken
Physische Klimarisiken entstehen durch die direkten Auswirkungen des Klimawandels auf Standorte, Infrastruktur, Ressourcen und Menschen.
- Akut: Extremwetterereignisse wie Starkregen, Hochwasser, Stürme, Hitzewellen, Dürren und Waldbrände.
- Chronisch: Langfristige Veränderungen wie steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster, Wasserknappheit, Meeresspiegelanstieg und Bodendegradation.
- Typische Auswirkungen: Schäden an Produktions- und Lagerstandorten, steigender Wasser- und Kühlbedarf, Störungen von Logistik und Lieferketten, Engpässe bei Rohstoffen, sinkende Arbeitsproduktivität sowie Einschränkungen bei der Versicherbarkeit von Standorten.
Transitorische Risiken
Transitorische Klimarisiken entstehen durch den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft und Veränderungen in Politik, Technologie und Markt.
- Politisch-rechtlich: CO₂-Preise, Emissionshandel, CBAM, gesetzliche Grenzwerte, Energieeffizienzanforderungen, Offenlegungspflichten und Klimaklagen.
- Technologisch: Umstellung auf emissionsärmere Technologien, Investitionsbedarf, bestehende emissionsintensive Anlagen (Locked-in-Emissionen) und Wertverluste von Vermögenswerten (Stranded Assets).
- Marktlich: Veränderte Kundennachfrage, schwankende Energie- und Rohstoffpreise sowie neue Anforderungen an Lieferanten, Finanzierung und Versicherung.
- Reputativ: Greenwashing-Vorwürfe, Kritik von Stakeholdern und Medien sowie Auswirkungen auf die Arbeitgeberattraktivität.
- Typische Auswirkungen: Höhere Investitions- und Betriebskosten, Abschreibungen, veränderte Produktportfolios und Margen, Anpassungen der Beschaffung und Lieferketten sowie Veränderungen beim Zugang zu Kapital und bei der Wettbewerbsposition.
Impact Chains
Der eigentliche Mehrwert entsteht, wenn Klimarisiken als Wirkungsketten (Impact Chains) beschrieben werden: von der Klimawirkung über die betriebliche Konsequenz bis zur finanziellen Auswirkung. Diese Logik schafft Vergleichbarkeit, Anschlussfähigkeit an das ERM und eine gemeinsame Sprache über Fachbereiche hinweg.
Referenzschema: Klimatreiber → Klimafolge → Exposition/Betroffenheit → betriebliche Auswirkung → finanzielle Auswirkung → Steuerungsmaßnahme.
- Beispielkette (physisch, akut): Starkregenereignis → Überflutung eines Produktionsstandorts (SSP5-8.5, 2050) → Produktionsausfall von 3 Wochen, Wiederherstellungskosten, gestörte Logistik → Umsatzrückgang und zusätzliche Kosten in Höhe von X Mio. €, steigende Versicherungsprämien → Maßnahme: Hochwasserschutz, Standort-Redundanz, Anpassung der Versicherungsstrategie.
- Beispielkette (transitorisch): Verschärfung des CO₂-Preises und CBAM-Ausweitung → höhere Beschaffungs- und Fertigungskosten für emissionsintensive Vorprodukte → Margendruck und Preisanpassungsbedarf bei Schlüsselkunden → EBITDA-Rückgang in Höhe von X Mio. € im Zielpfad, Investitionsbedarf für Dekarbonisierung → Maßnahme: Dekarbonisierungsfahrplan, Produkt-/Lieferantenwechsel, Preisklauseln.
- Beispielkette (Chance): Zunehmende Nachfrage nach klimaresilienten Produkten und nachgewiesener Anpassungsleistung → Differenzierung im Ausschreibungswettbewerb → höhere Auftragswahrscheinlichkeit und Preispremium → Umsatzpotenzial in Höhe von X Mio. € → Maßnahme: Produktentwicklung, Anpassungsnachweise, Kommunikation.
Relevanz
Die 8 CRO-Elemente
Für jedes Element der Climate Risk Analysis zeigt die DFGE auf, welche bestehenden Datenquellen (z. B. ISO-Zertifikate, Finanzplanung, Risikoregister, Governance-Protokolle, Szenario- und Schadensdaten) genutzt werden können und welche konkreten Dokumente im Projektverlauf erstellt oder geschärft werden. So entsteht eine integrierte Klimarisikoanalyse, die sowohl interne Steuerung als auch externe Anforderungen aus CSRD (ESRS E1), TCFD, IFRS S2, CDP oder allgemeinen Stakeholderanfragen gleichermaßen bedient.
- 1. Scope & Systemgrenze – Standorte, Geschäftseinheiten, Wertschöpfungsketten, Zeithorizonte.
- 2. Risiko- und Chanceninventar – strukturierte Trennung physisch/transitorisch, akut/chronisch.
- 3. Impact Chains & Wirkungsmodell – Wirkungskettenlogik mit Treibern, Auswirkungen und Indikatoren.
- 4. Szenariorahmen – Auswahl und Begründung der Klima- und Transitionsszenarien je Zeithorizont.
- 5. Bewertungsmethodik & Quantifizierung – Kriterien, Metriken, Schadens-/Kostenannahmen, Monetarisierung.
- 6. ERM-Integration – Verzahnung mit Risikoregister, Risikotragfähigkeit, Limiten, Planung und Reporting.
- 7. Governance & Verantwortlichkeiten – Genehmigung, Aufsicht, operative Verantwortlichkeiten und Umsetzung
- 8. Steuerung & Aktualisierung – Maßnahmen, KPIs, Monitoring-Zyklus, Aktualisierung der Analyse.
Sie haben Fragen zu den einzelnen Dienstleistungen? Dann treten Sie gerne mit uns in Kontakt!
Services
DFGE-Services für Climate Risk Analyses
- Strukturierter Readiness-Check entlang der 8 CRA-Elemente
- Initiales Screening bestehender Unterlagen (Risikoregister, Berichte, Szenarioannahmen)
- Systematische Gap-Analyse inkl. Relevanzbewertung
- Identifikation der größten Lücken und Risiken
- Priorisierte Handlungsempfehlungen
- Management-taugliche Ergebnispräsentation mit Gap-Matrix und CRA-Readiness-Status
- Vollständige Identifikation physischer und transitorischer Risiken und Chancen
- Aufbau von Impact Chains inkl. Wirkungsmodell
- Szenariodefinition (Klima- und Transitionspfade) und Begründung der Annahmen
- Qualitative und quantitative Bewertung inkl. Monetarisierung und Sensitivitätsanalysen
- Verzahnung mit ERM, Risikotragfähigkeit und Finanzplanung
- Definition von KPIs, Schwellenwerten und Monitoring
- Erstellung eines konsistenten, ESRS-kompatiblen Analyse- und Berichtsdokuments
- Review Ihrer eigenen Klimarisikoanalyse oder einzelner Elemente
- Verzahnung mit CSRD/ESRS-Reporting, EU-Taxonomie, CDP und Climate Transition Plan (CTP)
- Moderation und inhaltliche Gestaltung von CRA-Workshops
- Entwicklung einzelner Bausteine, z. B. Impact Chains, Szenariorahmen, Quantifizierungsmodell
- Unterstützung beim Aufbau von Prozessen und Reporting-Tools
- Sparring-Partner für interne Projektteams oder End-to-End-Projektsteuerung
- Langfristige Begleitung bei Aktualisierung und Weiterentwicklung
Die DFGE unterstützt Sie bei Ihrer CR&O Analyse – sprechen Sie uns an.
Ihre Vorteile
Klimarisiko- und Chancenanalyse mit der DFGE
- Flexibilität – Individuell zugeschnitten auf Ihr Unternehmen und Ihre Wertschöpfungskette; anpassbar an Unternehmensgröße, Branche, Datenlage und Zielsetzung. Von der Risikoidentifikation bis zur monetären Bewertung.
- Praxisnah und direkt umsetzbar – Ergebnisse sind anschlussfähig an bestehende Risiko- und Steuerungsprozesse, nicht als Parallelwelt angelegt.
- Expertenwissen – Über 25 Jahre Beratung; Erfahrung in Klimastrategien, Risikoanalyse und ESG. Fundiertes Know-how zu regulatorischen Anforderungen wie CSRD/ESRS, EU-Taxonomie, TCFD/IFRS S2 sowie zu Szenario- und Quantifizierungsmethoden. Kombination aus wissenschaftlich fundierten Methoden und pragmatischen Handlungsempfehlungen.
- Das DFGE-Netzwerk – Zugang zu internationalen Experten und Partnern aus relevanten Branchen; Best-Practice-Beispiele und innovative Ansätze; Unterstützung bei der Integration von Lieferkettenperspektiven.
FAQ | Häufig gestellte Fragen zur Klimarisiko- und chancen Analyse
1. Welche Unternehmen sind betroffen – und lohnt sich eine Analyse auch ohne eigene CSRD-Berichtspflicht?
Betroffenheit ist nicht branchenabhängig: Über Standorte, Beschaffung und Logistik wirken physische Risiken, über CO2-Preise, CBAM, Technologie- und Kundenanforderungen transitorische. Beides wird im Scope (Element 1) und im Risiko- und Chanceninventar (Element 2) systematisch geprüft – statt pauschal angenommen. Auch ohne eigene Berichtspflicht ist die Analyse sinnvoll, weil die Anforderungen entlang der Wertschöpfungskette weitergereicht werden: Banken, Versicherer und Kunden fragen Klimarisiko- und Dekarbonisierungsdaten zunehmend direkt bei ihren Geschäftspartnern ab.
2. Entsteht dadurch Doppelarbeit neben dem bestehenden Risikomanagement?
Nein – die Analyse ist bewusst nicht als Parallelwelt angelegt. Sie nutzt Ihr bestehendes Daten-Ökosystem (Risikoregister, Nachhaltigkeitsberichte, Emissionsbilanzen, Standort-, Versicherungs- und Finanzdaten) und mündet in die ERM-Integration (Element 6): Klimarisiken werden über Register, Risikomatrix, Limits, Meldewege und Verantwortlichkeiten in die vorhandenen Prozesse überführt. Ergebnis ist eine einheitliche Risikosprache statt eines separaten Sonderberichts.
3. Welche Daten werden benötigt – und wie wird mit fehlenden Daten umgegangen?
Ausgangspunkt ist, was bereits vorhanden ist: Berichte, Zertifikate, Planungs- und Risikodokumente. Die Gap-Analyse zeigt strukturiert, welche Angaben vorliegen und wo Lücken bestehen. Fehlende Daten blockieren die Analyse nicht: Sie werden über begründete Annahmen, Bandbreiten und Sensitivitätsanalysen abgedeckt und transparent als Annahme ausgewiesen – so bleiben Ergebnisse belastbar und später aktualisierbar.
4. Wie verlässlich sind die Ergebnisse angesichts unsicherer Zukunftsszenarien?
Ziel ist keine Punktprognose, sondern eine belastbare Bandbreite. Auf Basis definierter Klima- und Transitionsszenarien, dokumentierter Schadens- und Kostenannahmen sowie Sensitivitätsanalysen entstehen monetäre Kennzahlen wie Kosten-, Umsatz-, EBITDA- und Asset-at-Risk oder Break-even-CO2-Preise. Damit werden Klimarisiken in derselben Logik diskutierbar wie Markt- oder Kreditrisiken – und die Annahmen bleiben prüfbar und anschlussfähig an TCFD und IFRS S2.
5. Wird zusätzlich zum bestehenden Climate Transition Plan eine Klimarisikoanalyse benötigt?
Beide Instrumente ergänzen sich. Der Climate Transition Plan (CTP) beschreibt den Weg zur Dekarbonisierung (ESRS E1-1), die Klimarisikoanalyse bewertet Risiken und Chancen und übersetzt sie in finanzielle Größen. Die Risikoseite liefert dabei die Begründung für Investitionsbedarf, Priorisierung und den Umgang mit Locked-in-Emissionen und Stranded Assets – und stärkt damit die Belastbarkeit des CTP gegenüber Banken, Investoren und Versicherern. Die Analyse kann direkt mit Ihrer bestehenden CTP-Logik verzahnt werden. Ein umfassender Übergangsplan kann somit sowohl Aspekte des Klimaschutzes als auch der Anpassung an den Klimawandel abdecken.


