Nach den Klimazielen das Ökosystem im Fokus.
Die Nachhaltigkeitslandschaft für Unternehmen entwickelt sich immer weiter und wird zunehmend komplex. Während die Science Based Targets initiative (SBTi) seit Jahren der Goldstandard für wissenschaftsbasierte Klimaziele ist, gewinnt mit dem Science Based Targets Network (SBTN) ein neues Netzwerk an Bedeutung – diesmal mit Fokus auf Natur und Biodiversität. Beide Initiativen teilen gemeinsame Wurzeln, behandeln aber unterschiedliche Themenfelder. Wir beleuchten die wesentlichen Unterschiede und führen mit einer Einschätzung zur Relevanz durch den Dschungel der Rahmenwerke und Standards.
Der etablierte Standard für Ziele zur Reduktion von Treibhausgasen
Die Science Based Targets initiative (SBTi) steht hinter der wichtigsten Plattform für Unternehmen, die wissenschaftsbasierte Klimaziele setzen. Nach ihrer Gründung im Jahr 2015, aus einer Zusammenarbeit zwischen CDP, UN Global Compact, WRI und WWF, hat sie sich zu einer der einflussreichsten freiwilligen Klimainitiativen entwickelt. Über 12.800 Unternehmen weltweit haben sich bereits verpflichtet, ihre Emissionen im Einklang mit dem 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens zu reduzieren – und mehr als 10.000 Unternehmen haben diese Ziele bereits validieren lassen (Stand: März 2026).
Die SBTi bietet Unternehmen kostenlose Standards, Tools und Leitfäden, um ihre Treibhausgasemissionen (THG) auf Basis aktueller Klimawissenschaft zu reduzieren. Der Kern des Ansatzes liegt darin, dass Unternehmen ihre kurzfristigen (near-term) und langfristigen (net-zero) Ziele so setzen, dass sie mit den globalen Klimazielen kompatibel sind. Die Validierung dieser Ziele erfolgt durch die Tochtergesellschaft SBTi Services, die eine unabhängige Prüfung vornimmt. Unternehmen müssen ausweisen, wie schnell und in welchem Umfang sie ihre Emissionen reduzieren wollen. Dabei gibt es branchen- und unternehmensspezifische Anpassungen, etwa für besonders emissionsintensive Sektoren wie Stahl, Zement oder Landwirtschaft (FLAG – Forest, Land and Agriculture). Die regelmäßige Aktualisierung der Standards sorgt dafür, dass die Ziele mit der aktuellen Klimaforschung Schritt halten.
Trotz des großen Erfolges der SBTi, gibt es auch einige Herausforderungen. Ein häufiger Kritikpunkt ist die Komplexität der Scope-3-Berechnung, insbesondere für Unternehmen mit langen Wertschöpfungsketten. Vor allem aber deckt die SBTi nur den Klimaschutz ab – nicht jedoch andere kritische Umweltaspekte wie Wasserverbrauch, Landnutzung oder Biodiversitätsverlust. Hier kommt das Science Based Targets Network (SBTN) ins Spiel.
SBTN: Der neue Standard für naturpositive Unternehmen
Während die SBTi sich auf Klimaziele konzentriert, geht das Science Based Targets Network (SBTN) einen Schritt weiter: Sie entwickelt wissenschaftsbasierte Ziele für Natur und Biodiversität. Gegründet 2019 von einer Koalition aus NGOs – darunter CDP, WRI, WWF, UN Global Compact, Conservation International und das World Economic Forum – verfolgt das SBTN das Ziel, Unternehmen dabei zu unterstützen positiv zu einer naturfreundlichen (nature-positive!) und gerechten Zukunft beizutragen.
Warum brauchen wir SBTs für die Natur?
Der Klimawandel ist nur eine von mehreren globalen Umweltkrisen. Der Verlust von Biodiversität, die Übernutzung von Süßwasser, die Verschmutzung der Ozeane und die Degradierung von Böden bedrohen die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen – und damit auch die Wirtschaft.
Hier setzt das SBTN an. Im Gegensatz zu Klimazielen, die sich auf eine einzige Kennzahl (Treibhausgas-Emissionen) stützen, müssen SBTs für die Natur mehrere Faktoren berücksichtigen. Dazu gehören verschiedene Treiber des Naturverlusts z. B. Landnutzungsänderungen, Überfischung, Verschmutzung, Wasserentnahme). Außerdem die Berücksichtigung lokale Unterschiede: Naturverlust ist ortsabhängig – ein Eingriff in ein tropisches Regenwaldgebiet hat andere Folgen als in einer europäischen Agrarlandschaft. Schließlich gehören zur Methodik komplexe Indikatoren – nicht nur Treibhausgase, sondern beispielsweise Artenvielfalt, Wasserqualität und Bodengesundheit.
Das SBTN entwickelt wissenschaftsbasierte Methoden, mit denen Unternehmen ihre Auswirkungen auf Natur und Biodiversität messen und reduzieren können. „Nature positive“ ist dabei das globale Ziel und beinhaltet:
- Die Vermeidung von Schäden (No Net Loss) – Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre Aktivitäten keine weiteren negativen Auswirkungen auf Ökosysteme haben.
- Positive Beiträge (Net Positive) – Langfristig sollen Unternehmen mehr zur Erhaltung der Natur beitragen, als sie verbrauchen.
- Wiederherstellung und Regeneration – Dort, wo Schäden bereits entstanden sind, müssen Unternehmen Maßnahmen zur Renaturierung ergreifen.
Das SBTN hat ein Set an Leitfäden und Tools erarbeitet, die Unternehmen Schritt für Schritt bei ihrer Zielsetzung anleiten. Erste Pilotprojekte sind bereits abgeschlossen. Im Vergleich zur SBTi steckt das SBTN aber noch in den Kinderschuhen. Aktuell (Stand: März 2026) haben erst 11 Unternehmen offiziell validierte SBTN-Ziele. Die Zahl der Interessenten wächst allerdings rasant, da Investoren und Regulierungsbehörden zunehmend Naturrisiken in ihre Bewertungen einbeziehen. Seit Februar 2025 besteht die Möglichkeit der externen Validierung der SBTN-Ziele durch den Accountability Accelerator.
Gemeinsamkeiten und Synergien
Trotz ihrer Unterschiede haben SBTi und SBTN gemeinsame Wurzeln – beide wurden von ähnlichen NGOs ins Leben gerufen und wollen wissenschaftsbasierte Grundlagen für die Nachhaltigkeits-Zielsetzung in Unternehmen etablieren. Dadurch gibt es Überschneidungen in der Methodik – beide setzen auf Transparenz und Messbarkeit und beide erfordern eine ganzheitliche Betrachtung der Wertschöpfungskette (inkl. Scope 3).
Ein entscheidender Vorteil für Unternehmen ist aber, dass SBTi und SBTN sich ergänzen. Ein Unternehmen, das bereits SBTi-Ziele hat, kann diese als Grundlage nutzen, um Naturziele zu entwickeln. Umgekehrt betrachtet das SBTN das Klima als einen entscheidenden Bereich des Untersuchungsrahmens, neben Land, Wasser, Ozeanen und der Biodiversität. Haben Unternehmen also einen wesentlichen Ausstoß an Treibhausgasemissionen wird eine Klimazielsetzung mit Validierung entsprechend der SBTi erwartet.
Warum Unternehmen beide Ansätze brauchen
Die Klimakrise und die Biodiversitätskrise sind zwei Seiten derselben Medaille. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um sich mit dem SBTN zu befassen, während die Klimaziele weiter vorangetrieben werden. Denn am Ende geht es nicht um „entweder Klimaschutz oder Naturschutz“ – sondern um beides, integriert und wissenschaftsbasiert.
Unterstützung durch die DFGE
Die DFGE begleitet Unternehmen dabei, wissenschaftsbasierte Klimaziele (SBTi) und naturpositive Ziele (SBTN) praxisnah umzusetzen. Von der Analyse der eigenen Umweltwirkungen über die Zieldefinition bis hin zu Maßnahmenplanung, Monitoring und Reporting – die DFGE sorgt dafür, dass Klimaschutz und Biodiversität Hand in Hand gehen.
Interessiert? Mehr Informationen finden Sie unter www.dfge.de oder kontaktieren Sie uns direkt per E-Mail: / Telefon: 08192-99733-20.








