Wenn Unternehmen heute den Product Carbon Footprint (PCF) eines Industrieprodukts berechnen, stehen sie vor einer komplexen Datenaufgabe. Besonders deutlich wird das in der Intralogistik: Wer den ökologischen Fußabdruck eines modernen Gabelstaplers oder Flurförderzeugs ermitteln will, stellt schnell fest, dass die Maschine im Betrieb zwar lokal emissionsfrei fährt, der eigentliche CO2 Rucksack jedoch im Bauch des Fahrzeugs liegt, in der Antriebsbatterie.
Mit der EU-Batterieverordnung (Verordnung (EU) 2023/1542) hat der Gesetzgeber diesen Bereich geregelt. Die Vorgaben von Artikel 7 betreffen drei der insgesamt fünf Produktkategorien der Verordnung: Elektrofahrzeug-Batterien (wie in Pkw, Lkw oder schweren Baumaschinen), Batterien für leichte Transportmittel (wie E-Bikes und Cargo-Bikes für die City-Logistik) sowie Industriebatterien mit mehr als 2 kWh Kapazität. Hierzu zählen große stationäre Energiespeichersysteme (BESS), aber auch Batterien für Gabelstapler. Da Gabelstapler, Hubwagen, fahrerlose Transportfahrzeuge (AGVs) und mobile Lagerroboter im Mehrschichtbetrieb genau solche kraftvollen Speichersysteme nutzen, sind sie direkt von diesen Regeln betroffen. Für Gabelstaplerhersteller bedeutet das, dass die Erstellung der Fahrzeugbilanz untrennbar mit den Daten der Batterie verbunden ist.
Warum der Gabelstapler-PCF die Daten des Lieferanten braucht
Der Carbon Footprint eines Gabelstaplers lässt sich nicht pauschal über grobe Branchendurchschnitte ermitteln. Die EU-Vorgaben verlangen für Industriebatterien eine präzise Berechnung nach den wissenschaftlichen Richtlinien der EU-Forschungsstelle JRC (Joint Research Centre) sowie gemäß Anhang II der EU-Batterieverordnung.
Gemessen wird dieser Batterie-PCF in Kilogramm CO2 Äquivalent pro 1 kWh an Energie, die der Speicher über seine Lebensdauer abgibt. Da Gabelstaplerhersteller meist keine eigene Zellfertigung betreiben, sondern die Batteriezellen von spezialisierten Zulieferern einkaufen, müssen sie in der Lieferkette ansetzen:
- Primärdaten aus der Fertigung: Der Batteriehersteller muss nachweisen, wie viel Energie bei der Produktion verbraucht wurde, welche Stromquellen das Werk versorgt haben und wie hoch die Ausschussraten waren. Diese Daten kann nur der direkte Lieferant der Batterie liefern.
- Die Vorkette der Rohstoffe: Da Gabelstapler durch ihren Einsatzzweck ganz andere Anforderungen als E-Autos erfüllen müssen und im Lager vor allem auf Robustheit, Langlebigkeit und ein hohes Eigengewicht setzen, kommen hier andere Zellchemien wie Lithium-Eisenphosphat oder Natrium-Ionen zum Einsatz. Die Gewinnung und Verarbeitung dieser jeweiligen Rohstoffe fließen direkt in die Ökobilanz ein, weshalb der Gabelstaplerhersteller diese genauen Vorkettendaten benötigt, um sie in seine Gesamtfahrzeug-Bilanz (PCF) einzuspeisen.
- Der Digitale Batteriepass: Ab Februar 2027 müssen Industriebatterien einen Digitalen Batteriepass per QR-Code besitzen. Die dort hinterlegten Werte dienen dem Hersteller als verlässliche Primärquelle.
Der strategische Hebel für die Intralogistik
Für die Praxis entsteht dadurch ein Paradigmenwechsel. Die Batterie ist im Gesamt-PCF eines Gabelstaplers der größte Hebel. Wenn Hersteller ihre Zulieferer verpflichten, nach JRC-Standards zu bilanzieren, sichern sie nicht nur die Marktkonformität gegenüber künftigen CO2 -Obergrenzen, es
entsteht auch ein wirtschaftlicher Vorteil: Große Logistikzentren, in denen elektrisch betriebene Flurförderzeuge in großer Anzahl im Einsatz sind, müssen nämlich ihre indirekten CO2-Emissionen ebenfalls darstellen und sukzessive senken. Der ökologische Fußabdruck eines Gabelstaplers, der durch exakte Lieferantendaten transparent nachgewiesen ist, wird dadurch zu einem entscheidenden Verkaufsargument.
Mit der DFGE zum belastbaren Product Carbon Footprint
Die DFGE unterstützt Unternehmen bei der Ermittlung und Reduktion ihrer produktbezogenen Treibhausgasemissionen. Mit ihrer Expertise in der PCF-Bilanzierung hilft sie, Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette transparent zu erfassen und relevante Lieferantendaten einzubeziehen.
Für Gabelstaplerhersteller schafft dies eine fundierte Grundlage, um den CO₂-Fußabdruck ihrer Produkte zu bewerten, Emissionsreduktionspotenziale zu identifizieren und regulatorische Anforderungen im Blick zu behalten.
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