Die EU macht bei der Zertifizierung von CO₂-Entnahmen und Carbon Farming einen wichtigen Schritt: Nach den ersten Methoden für dauerhafte Carbon Removals hat die Europäische Kommission im Juli 2026 auch die Zertifizierungsmethoden für Carbon Farming verabschiedet. Damit wird die CRCF-Verordnung zunehmend konkret. Was bedeutet das für Unternehmen und ihre Klimastrategie?
Die Carbon Removals and Carbon Farming (CRCF) Regulation schafft einen freiwilligen, EU-weiten Rahmen für die Zertifizierung von CO₂-Entnahmen (Carbon Removals), Carbon Farming und der Kohlenstoffspeicherung in Produkten.
Unter Carbon Removals versteht man Verfahren, bei denen CO₂ gezielt aus der Atmosphäre entfernt und gespeichert wird. Carbon Farming bezeichnet land- und forstwirtschaftliche Methoden, die Kohlenstoff langfristig in Böden und Biomasse binden oder Treibhausgasemissionen reduzieren. Mit den 2026 verabschiedeten Zertifizierungsmethoden beginnt nun die praktische Umsetzung der CRCF.
Im Februar 2026 legte die Europäische Kommission erste Methoden für dauerhafte CO₂-Entnahmen vor. Dazu gehören unter anderem Direct Air Carbon Capture and Storage (DACCS) – die direkte Entnahme von CO₂ aus der Umgebungsluft mit anschließender dauerhafter Speicherung –, die Speicherung biogenen CO₂sowie Biochar Carbon Removal. Bei Biochar wird Biomasse unter Sauerstoffausschluss in Pflanzenkohle umgewandelt, wodurch der darin enthaltene Kohlenstoff langfristig gespeichert werden kann. Im Juli 2026 folgten Methoden für Carbon Farming, etwa für Landwirtschaft und Agroforstwirtschaft, die Wiedervernässung und Renaturierung von Mooren sowie Aufforstung.
Damit wird das Thema für Unternehmen konkreter: Die EU schafft zunehmend klare Kriterien dafür, wann CO₂-Entnahmen und Kohlenstoffspeicherung als zertifizierte Aktivitäten gelten können.
Was regelt die CRCF?
Die CRCF-Verordnung (EU) 2024/3012 ist seit Dezember 2024 in Kraft. Sie umfasst drei zentrale Bereiche:
- Permanent Carbon Removals: CO₂ wird aus der Atmosphäre entnommen und dauerhaft gespeichert.
- Carbon Farming: Landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Maßnahmen erhöhen die Kohlenstoffbindung oder reduzieren Emissionen aus Böden.
- Carbon Storage in Products: Kohlenstoff wird in langlebigen Produkten gespeichert.
Für zertifizierbare Aktivitäten gelten Anforderungen an Quantifizierung, Zusätzlichkeit, Dauerhaftigkeit, Nachhaltigkeit sowie Monitoring und Reporting. Eine unabhängige Verifizierung soll die Glaubwürdigkeit der Zertifizierung sicherstellen.
CRCF und Net Zero: Carbon Removals sind kein Ersatz für Emissionsreduktion
Ein wichtiger Grundsatz bleibt: Carbon Removals ersetzen keine Dekarbonisierung.
Eine glaubwürdige Klimastrategie beginnt mit der Erfassung und Reduktion der eigenen Treibhausgasemissionen. Erst wenn Emissionen vermieden beziehungsweise reduziert wurden und unvermeidbare Restemissionen verbleiben, können hochwertige Carbon Removals eine Rolle spielen.
Die Reihenfolge lautet daher:
Emissionen messen → Emissionen reduzieren → verbleibende Emissionen adressieren → hochwertige Carbon Removals einsetzen
Dafür ist ein belastbarer Corporate Carbon Footprint (CCF) die entscheidende Grundlage. Der CCF erfasst die Treibhausgasemissionen eines Unternehmens und macht sichtbar, in welchen Bereichen die größten Emissionen entstehen und wo Reduktionspotenziale liegen.
Warum Carbon Accounting wichtiger wird
Mit der CRCF gewinnt auch die Qualität von Klimadaten weiter an Bedeutung. Unternehmen benötigen transparente und nachvollziehbare Daten, um Emissionen zu quantifizieren, Maßnahmen zu bewerten und Klimaziele glaubwürdig zu dokumentieren.
Das betrifft sowohl die Unternehmensebene als auch einzelne Produkte. Ein Product Carbon Footprint (PCF) erfasst die Treibhausgasemissionen eines Produkts über relevante Phasen seines Lebenszyklus hinweg – beispielsweise von der Rohstoffgewinnung über Produktion und Transport bis zur Nutzung und Entsorgung.
Da die CRCF auch die Kohlenstoffspeicherung in Produkten berücksichtigt, können belastbare Produktdaten künftig eine wichtige Grundlage für die Bewertung entsprechender Aktivitäten bilden.
Die DFGE unterstützt Unternehmen bei der Erstellung von Corporate Carbon Footprints und Product Carbon Footprints, bei Ökobilanzierungen sowie bei der Entwicklung von Klimastrategien. Im Mittelpunkt stehen belastbare Daten, nachvollziehbare Methoden und die Identifikation konkreter Reduktionspotenziale.
Was bedeutet die CRCF für Unternehmen?
Die Verordnung bietet verschiedene Chancen:
Mehr Transparenz: Einheitliche Kriterien und unabhängige Verifizierung können die Qualität und Vergleichbarkeit von Carbon-Removal-Projekten verbessern.
Neue Perspektiven für Carbon Farming und Carbon Removal: Für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und innovative Technologien können zertifizierbare Aktivitäten neue wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnen.
Bessere Entscheidungsgrundlagen: Unternehmen können Carbon-Removal-Projekte künftig stärker anhand standardisierter Qualitätskriterien bewerten.
Gleichzeitig sollten Unternehmen nicht darauf warten, bis sämtliche Details der CRCF umgesetzt sind. Sinnvoll ist es bereits heute, den eigenen Carbon Footprint zu ermitteln, Reduktionspotenziale zu identifizieren, Klimaziele zu definieren und die Qualität der zugrunde liegenden Daten zu verbessern.
Wie die DFGE unterstützt
Die CRCF verbindet Themen, die für eine glaubwürdige Klimastrategie entscheidend sind: Carbon Accounting, Datenqualität, Klimaziele und die strategische Bewertung von Klimaschutzmaßnahmen.
Die DFGE unterstützt Unternehmen dabei unter anderem mit:
- Corporate Carbon Footprints zur Erfassung der unternehmensweiten Emissionen,
- Product Carbon Footprints zur Bewertung der Klimawirkung von Produkten,
- Ökobilanzierungen und Lebenszyklusanalysen,
- Klimastrategien und Climate Action Plans,
- Unterstützung bei Science-Based Targets und Net-Zero-Strategien,
- sowie Reporting und Validierung.
Damit geht es nicht nur um die Frage, ob ein Unternehmen Carbon-Removal-Zertifikate einsetzen sollte. Entscheidend ist, diese Maßnahmen in eine belastbare Gesamtstrategie einzuordnen.
Fazit: CRCF schafft den Rahmen – die Klimastrategie bleibt entscheidend
Mit den neuen Zertifizierungsmethoden für dauerhafte CO₂-Entnahmen und Carbon Farming wird die CRCF im Jahr 2026 von einem regulatorischen Rahmen zunehmend zur praktischen Realität.
Für Unternehmen gilt jedoch weiterhin:
Erst messen, dann reduzieren, anschließend verbleibende Emissionen strategisch adressieren.
Ein belastbarer Carbon Footprint, hochwertige Daten und eine klare Klimastrategie bilden die Grundlage dafür, die Möglichkeiten der CRCF sinnvoll zu nutzen.
Die DFGE unterstützt Unternehmen auf diesem Weg – von der Ermittlung des Carbon Footprints über die Identifikation von Reduktionsmaßnahmen bis zur Entwicklung einer langfristigen Klimastrategie.
Bei Fragen erreichen Sie uns unter oder telefonisch unter +49 8192 99733‑20.








