Der Begriff „Carbon Removals“ taucht zunehmend in Klimaberichten, Nachhaltigkeitsstrategien und politischen Debatten auf. Gemeint ist die aktive Entnahme von CO₂ aus der Atmosphäre – entweder durch natürliche Prozesse wie Aufforstung oder durch technologische Verfahren wie Direct Air Capture.
Doch welche Rolle spielen Carbon Removals tatsächlich auf dem Weg zu Net Zero 2045? In welchem Umfang sind diese Technologien sinnvoll – und wo liegen ihre Grenzen? Und was bedeutet das konkret für deutsche Unternehmen, die eine glaubwürdige Klimastrategie verfolgen wollen?
Was sind Carbon Removals – und was nicht?
Carbon Removals (auch: Carbon Dioxide Removal, CDR) bezeichnen Maßnahmen, die CO₂ aktiv aus der Atmosphäre entnehmen und über längere Zeit speichern.
Wichtig ist dabei die Abgrenzung zur Emissionsvermeidung: Carbon Removals verhindern keine zukünftigen Emissionen – anders als etwa erneuerbare Energien, Energieeffizienzmaßnahmen oder Elektrifizierung.
Das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) sieht Emissionsreduktionen weiterhin als wichtigsten Hebel zur Erreichung der Klimaziele. Gleichzeitig geht das IPCC davon aus, dass Carbon Removals notwendig sein werden, um schwer vermeidbare Restemissionen („hard-to-abate emissions“) auszugleichen.
Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, werden laut IPCC bis 2030 globale jährliche CDR-Kapazitäten von etwa 0,8–2,9 Gt CO₂ benötigt, bis 2050 sogar 6–10 Gt CO₂. Zum Vergleich: Heute werden weltweit nur rund 0,01 Gt CO₂ pro Jahr dauerhaft entfernt.
Die wichtigsten Arten von Carbon Removals
Grundsätzlich lassen sich Carbon-Removal-Methoden in zwei Kategorien einteilen:
Nature-based Removals (NBR) / naturbasierte Lösungen
- Aufforstung und Wiederaufforstung
- Wiedervernässung von Mooren und Feuchtgebieten
- verbessertes Bodenmanagement in der Landwirtschaft
- Schutz und Wiederherstellung küstennaher Ökosysteme („Blue Carbon“)
Naturbasierte Lösungen sind vergleichsweise kostengünstig (ca. 10–40 USD pro Tonne CO₂) und oft mit positiven Effekten für Biodiversität und Ökosysteme verbunden.
Allerdings ist ihre Speicherwirkung häufig nicht dauerhaft: Durch Waldbrände, Dürren oder veränderte Landnutzung kann gebundenes CO₂ wieder freigesetzt werden.
Technology-based Removals (TBR) / technologiebasierte Lösungen
- Direct Air Capture & Storage (DACCS): CO₂ wird direkt aus der Umgebungsluft gefiltert und geologisch gespeichert
- Bioenergy with Carbon Capture & Storage (BECCS/BioCCS): Biomasse wird energetisch genutzt, das entstehende CO₂ abgeschieden und gespeichert
- Biochar: Biomasse wird zu Pflanzenkohle verarbeitet und langfristig im Boden gespeichert
Technologiebasierte Verfahren sind deutlich teurer (derzeit ca. 90–600 USD pro Tonne CO₂), ermöglichen jedoch eine wesentlich dauerhaftere Speicherung über Jahrhunderte bis Jahrtausende und gelten daher als „durable removals“.
Was die Regulatorik gerade verändert – und was das für Unternehmen bedeutet
Carbon Removals sind nicht auf den Corporate Carbon Footprint anrechenbar
Unternehmen können durch den Kauf von Carbon-Removal-Credits ihre bilanzierten Emissionen nicht einfach „reduzieren“.
Das GHG Protocol – der weltweit wichtigste Standard für Treibhausgasbilanzen – verlangt, dass Bruttoemissionen vollständig ausgewiesen werden. Carbon Credits dürfen nicht mit Scope-1-, Scope-2- oder Scope-3-Emissionen verrechnet werden.
Auch im Rahmen der CSRD gilt grundsätzlich: Emissionen werden brutto berichtet, Carbon Credits oder Removals separat ausgewiesen.
Die wissenschaftlich anerkannte Reihenfolge ist eindeutig:
- Emissionen so weit wie möglich vermeiden und reduzieren
- Verbleibende, schwer vermeidbare Restemissionen durch hochwertige Carbon Removals neutralisieren
Der Corporate Net-Zero Standard der Science Based Targets initiative (SBTi) fordert deshalb, dass Unternehmen mindestens 90 % ihrer Emissionen tatsächlich reduzieren müssen. Nur die verbleibenden unter 10 % dürfen durch permanente Carbon Removals neutralisiert werden, um einen glaubwürdigen Net-Zero-Anspruch zu begründen.
Die EU schafft erstmals Qualitätsstandards für Carbon Removals
Mit dem Carbon Removals and Carbon Farming Certification Framework (CRCF) hat die EU Ende 2024 erstmals einen unionsweiten freiwilligen Zertifizierungsrahmen für Carbon Removals, Carbon Farming und Carbon Storage in Products geschaffen.
Im Februar 2026 verabschiedete die Europäische Kommission die ersten konkreten Zertifizierungsmethodologien für permanente Carbon Removals – zunächst für DACCS, BioCCS und Biochar.
Damit entstehen erstmals EU-weit harmonisierte Anforderungen an:
- Messbarkeit,
- Additionalität,
- Dauerhaftigkeit der Speicherung,
- Monitoring,
- Verifizierung
- und Nachhaltigkeitskriterien.
Der CRCF soll insbesondere die Qualität freiwilliger Carbon-Removal-Märkte verbessern und Greenwashing reduzieren.
Kritische Betrachtung: Was Carbon Removals (noch) nicht leisten können
Trotz ihres Potenzials sind Carbon Removals keine einfache oder kurzfristige Lösung der Klimakrise.
Kosten und Verfügbarkeit bleiben zentrale Hürden
Insbesondere dauerhafte technologische Removals wie DACCS oder Biochar sind derzeit teuer und nur begrenzt verfügbar. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach hochwertigen CDR-Zertifikaten deutlich schneller als das Angebot.
Unternehmen, die langfristig auf Carbon Removals setzen wollen, müssen daher mit steigenden Preisen und knapper Verfügbarkeit rechnen.
Das Greenwashing-Risiko bleibt hoch
Auch mit neuen Standards wie dem CRCF gilt: Nicht jeder Carbon-Removal-Credit hält, was er verspricht.
Entscheidend sind:
- tatsächliche Dauerhaftigkeit,
- Additionalität,
- robuste MRV-Systeme (Monitoring, Reporting & Verification)
- und unabhängige Verifizierung.
Unternehmen, die Carbon Removals als Ersatz für echte Emissionsreduktionen nutzen, riskieren nicht nur Reputationsschäden, sondern zunehmend auch regulatorische Konsequenzen — insbesondere im Kontext der geplanten EU Green Claims Directive.
Naturbasierte Lösungen haben physische Grenzen
Auch naturbasierte Lösungen stoßen an Grenzen: Wälder können abbrennen, Moore austrocknen und Böden Kohlenstoff wieder freisetzen.
Naturbasierte Removals bleiben deshalb wichtig, können jedoch dauerhafte Emissionsreduktionen und permanente Speicherlösungen nicht vollständig ersetzen.
Fazit
Carbon Removals werden langfristig eine wichtige Rolle in globalen Net-Zero-Strategien spielen – insbesondere für unvermeidbare Restemissionen in schwer dekarbonisierbaren Sektoren.
Sie sind jedoch kein Ersatz für konsequente Emissionsreduktionen.
Die wirksamste, kosteneffizienteste und nachhaltigste Klimaschutzmaßnahme bleibt weiterhin die Vermeidung und Reduktion von Emissionen an der Quelle. Carbon Removals sollten daher nicht als Ausweg verstanden werden, sondern als ergänzendes Instrument für jene Emissionen, die technisch oder wirtschaftlich kaum vermeidbar sind.
Für Unternehmen bedeutet das: Erst reduzieren, dann neutralisieren – und dabei auf hochwertige, wissenschaftlich fundierte Carbon-Removal-Lösungen setzen. Sprechen Sie uns an – wir unterstützen Sie gerne! Kontaktieren Sie uns für eine individuelle Beratung: oder telefonisch unter 08192-99733-20 für weitere Informationen.








