Wer heute Lebensmittel an den Handel liefert, spürt den Wandel deutlich.
Was vor einigen Jahren noch vereinzelt als Nachhaltigkeitsfragebogen begann, entwickelt sich zunehmend zu einem festen Bestandteil der Lieferantenbewertung. Handelsunternehmen erwarten mehr Transparenz, belastbare ESG-Daten und nachvollziehbare Nachweise zu Umwelt- und Sozialthemen.
Mit der Retail Impact Initiative von Rewe, Lidl und Aldi gewinnt diese Entwicklung zusätzlich an Dynamik.
Für viele Lieferanten stellt sich deshalb die Frage: Was bedeutet das konkret für unser Unternehmen?
Die Retail Impact Initiative verändert die Spielregeln
Die Initiative verfolgt ein klares Ziel: Nachhaltigkeitsanforderungen im Handel stärker zu harmonisieren und vergleichbar zu machen.
Für Lieferanten bedeutet das zunächst weniger unterschiedliche Anforderungen und mehr Standardisierung. Gleichzeitig steigen jedoch die Erwartungen an die Qualität und Verfügbarkeit von ESG-Daten.
Die Botschaft des Handels ist deutlich: Nachhaltigkeit soll nicht mehr nur beschrieben, sondern messbar gemacht werden.
Viele Unternehmen werden deshalb erstmals systematisch mit Themen wie Nachhaltigkeitsmanagement, Klimabilanzen, Lieferketteninformationen oder Nachhaltigkeitsratings konfrontiert.
EcoVadis wird für viele Unternehmen zum Einstieg
In zahlreichen Lieferantenbeziehungen ist EcoVadis inzwischen die Eintrittskarte in die ESG-Welt.Das Rating hilft Handelsunternehmen dabei, Nachhaltigkeitsleistungen vergleichbar zu bewerten und Risiken in der Lieferkette besser einzuschätzen.
Für Lieferanten ist das oft der erste Berührungspunkt mit strukturierten ESG-Anforderungen.
Dabei zeigt sich in der Praxis immer wieder: Eine gute Bewertung entsteht nicht durch einzelne Nachhaltigkeitsprojekte, sondern durch belastbare Prozesse, klare Verantwortlichkeiten und eine nachvollziehbare Dokumentation.
Wer EcoVadis erfolgreich nutzt, schafft gleichzeitig wichtige Grundlagen für weitere Anforderungen des Handels.
Der nächste blinde Fleck: Product Carbon Footprints
Während viele Unternehmen mittlerweile ihren Corporate Carbon Footprint (CCF) kennen, rücken zunehmend die Emissionen einzelner Produkte in den Fokus.
Genau hier beginnt für viele Lieferanten eine neue Herausforderung.
Denn Handelsunternehmen möchten künftig nicht nur wissen, wie klimafreundlich ein Unternehmen insgesamt ist. Sie interessieren sich zunehmend für die Klimawirkung konkreter Produkte und Sortimente.
Die entscheidende Frage lautet: Wie hoch ist der CO₂-Fußabdruck eines einzelnen Produkts?
Product Carbon Footprints (PCF) liefern die Antwort.
Aktuell verfügen jedoch viele Unternehmen weder über die notwendigen Daten noch über die internen Prozesse, um diese Informationen belastbar bereitzustellen.
Damit entsteht ein neuer blinder Fleck in der Nachhaltigkeitsberichterstattung vieler Lieferanten.
Warum der Druck weiter steigen wird
Die Anforderungen des Handels entstehen nicht im luftleeren Raum.
Mit CSRD, CSDDD, der EU-Entwaldungsverordnung und dem zukünftigen Digitalen Produktpass wächst der regulatorische Druck entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Auch Unternehmen, die selbst nicht unmittelbar von diesen Regelwerken betroffen sind, werden die Auswirkungen spüren.
Denn Handelsunternehmen müssen künftig deutlich mehr Informationen über ihre Lieferketten, Produkte und Nachhaltigkeitsleistungen erfassen und werden entsprechende Daten bei ihren Lieferanten anfragen.
Viele Anforderungen von morgen beginnen daher als Kundenanfrage von heute.
Was Lieferanten jetzt tun sollten
Aus unserer Sicht sollten Lebensmittelhersteller aktuell fünf Prioritäten setzen:
- Nachhaltigkeitsverantwortlichkeiten klar definieren
- ESG-Daten systematisch erfassen und zentral verwalten
- Eine belastbare EcoVadis-Bewertung aufbauen
- Erste Product Carbon Footprints berechnen
- Klimaziele und Reduktionsmaßnahmen entwickeln
Wichtig dabei: Nicht jedes Thema muss sofort vollständig umgesetzt werden.
Entscheidend ist, die Grundlagen zu schaffen, auf denen zukünftige Anforderungen aufbauen können.
Fazit
Die Retail Impact Initiative ist kein isoliertes Nachhaltigkeitsprojekt des Handels. Sie steht stellvertretend für eine Entwicklung, die die gesamte Lebensmittelbranche erfasst.
Nachhaltigkeit wird zunehmend Teil von Einkaufsentscheidungen, Lieferantenbewertungen und regulatorischen Anforderungen.
Unternehmen, die heute belastbare ESG-Strukturen und Kompetenzen im Bereich Product Carbon Footprint aufbauen, verschaffen sich nicht nur Vorteile bei zukünftigen Handelsanforderungen. Sie schaffen gleichzeitig die Grundlage für eine langfristig wettbewerbsfähige Positionierung im Markt.
Wie die DFGE unterstützen kann
Seit vielen Jahren begleitet die DFGE Unternehmen der Lebensmittelindustrie und des Handels bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsanforderungen.
Wir unterstützen unsere Kunden unter anderem bei EcoVadis-Bewertungen, Corporate und Product Carbon Footprints, Klimastrategien sowie bei der Vorbereitung auf regulatorische Anforderungen und neue Handelsinitiativen.
Unser Ziel dabei: Komplexe ESG-Anforderungen in pragmatische und umsetzbare Schritte zu übersetzen – damit Nachhaltigkeit nicht zum Bürokratieprojekt wird, sondern echten Mehrwert für Unternehmen schafft.
Weitere Informationen finden Sie auch auf unserer Seite Nachhaltigkeit im LEH.
Kontaktieren Sie uns für eine individuelle Beratung: oder telefonisch unter 08192-99733-20 für weitere Informationen.








