Wer heute an den Handel liefert, spürt den Wandel deutlich.
Was vor einigen Jahren noch vereinzelt als Nachhaltigkeitsfragebogen begann, entwickelt sich zunehmend zu einem festen Bestandteil der Lieferantenbewertung. Handelsunternehmen erwarten mehr Transparenz, belastbare ESG-Daten und nachvollziehbare Nachweise zu Umwelt- und Sozialthemen.
Mit der Retail Impact Initiative (RII) von ALDI SÜD, ALDI Nord, Lidl International, der REWE Group und Gebr. Heinemann gewinnt diese Entwicklung zusätzlich an Dynamik.
Für viele Lieferanten stellt sich deshalb die Frage: Was bedeutet das konkret für unser Unternehmen?
Wer hinter der Retail Impact Initiative steht
Die Retail Impact Initiative ist eine Brancheninitiative zur nachhaltigen Beschaffung, die 2024 gemeinsam mit EcoVadisgegründet wurde. Zu den Gründungsmitgliedern zählen die ALDI SÜD Group, Lidl International, die REWE Group und Gebr. Heinemann; die ALDI Nord Group gehört ebenfalls zum Kreis der beteiligten Handelsunternehmen.
Wichtig für das Verständnis: Es handelt sich nicht um eine reine Lebensmittelinitiative. Mit Gebr. Heinemann ist von Beginn an ein Travel-Retail-Unternehmen dabei – die Initiative denkt den Handel branchenübergreifend.
EcoVadis fungiert dabei als Koordinationsstelle. Die Mitglieder fragen die Nachhaltigkeitsbewertungen ihrer Lieferanten über die EcoVadis-Plattform an und treffen sich regelmäßig, um Erkenntnisse aus Branchensicht zu diskutieren, Best Practices auszutauschen und Maßnahmen zum Kapazitätsaufbau bei Lieferanten zu planen – alles innerhalb der Grenzen des Wettbewerbsrechts.
Der zentrale Mechanismus ist ein gemeinsamer Scorecard-Pool: Ergebnisse der Bewertungen werden in einem Pool geteilt, auf den alle aktuellen und zukünftigen Mitglieder Zugriff haben. Für Lieferanten heißt das konkret: Wer eine RII-Anfrage annimmt, erklärt sich damit einverstanden, das EcoVadis-Rating mit allen aktuellen und zukünftigenMitgliedern zu teilen. Eine Bewertung – vielfältige übergreifende Synergien.
Die Initiative wächst – und will weiter expandieren
Die RII bleibt nicht bei ihren Gründungsmitgliedern stehen. Die Initiative wirbt aktiv um neue Mitglieder aus dem Lebensmittel- und Getränkehandel sowie aus den Bereichen Textil, Gesundheit und Beauty, Sport und Elektronik. Auch die Fachpresse berichtet über die Expansionspläne der Initiative (Lebensmittel Zeitung, Juli 2026).
Ein inhaltlicher Schwerpunkt der Initiative liegt auf der Vorbereitung auf Sorgfaltspflichten-Regulatorik wie die CSDDD, die Unternehmen für Menschenrechts- und Umweltauswirkungen entlang der Wertschöpfungskette verantwortlich macht.
Für Lieferanten bedeutet das: Der Kreis der Handelsunternehmen, die dieselbe Bewertungslogik anwenden, wird größer – nicht kleiner.
Die Retail Impact Initiative verändert die Spielregeln
Die Initiative verfolgt ein klares Ziel: Nachhaltigkeitsanforderungen im Handel stärker zu harmonisieren und vergleichbar zu machen. Mehrfachabfragen gleichgelagerter Anforderungen belasten Lieferanten – genau hier soll die Bündelung Abhilfe schaffen.
Für Lieferanten bedeutet das zunächst weniger unterschiedliche Fragebögen und mehr Standardisierung. Gleichzeitig steigen jedoch die Erwartungen an die Qualität und Verfügbarkeit von ESG-Daten.
Die Botschaft des Handels ist deutlich: Nachhaltigkeit soll nicht mehr nur beschrieben, sondern messbar gemacht werden.
Dass der Ansatz trägt, zeigen die Zahlen der EcoVadis Sector Initiatives: Über die vergangenen fünf Jahre lag die durchschnittliche Netto-Konversionsrate – also das Verhältnis von bewerteten zu eingeladenen Lieferanten – in Brancheninitiativen rund 33 Prozent höher. Und einmal bewertete Lieferanten bleiben dabei: Die Abbruchquote bei Folgebewertungen liegt um 9 Prozentpunkte niedriger.
Viele Unternehmen werden deshalb erstmals systematisch mit Themen wie Nachhaltigkeitsmanagement, Klimabilanzen, Lieferketteninformationen oder Nachhaltigkeitsratings konfrontiert.
EcoVadis wird für viele Unternehmen zum Einstieg
In zahlreichen Lieferantenbeziehungen ist EcoVadis inzwischen die Eintrittskarte in die ESG-Welt. Das Rating hilft Handelsunternehmen dabei, Nachhaltigkeitsleistungen vergleichbar zu bewerten und Risiken in der Lieferkette besser einzuschätzen.
Für Lieferanten ist das oft der erste Berührungspunkt mit strukturierten ESG-Anforderungen.
Dabei zeigt sich in der Praxis immer wieder: Eine gute Bewertung entsteht nicht durch einzelne Nachhaltigkeitsprojekte, sondern durch belastbare Prozesse, klare Verantwortlichkeiten und eine nachvollziehbare Dokumentation.
Wer EcoVadis erfolgreich nutzt, schafft gleichzeitig wichtige Grundlagen für weitere Anforderungen des Handels.
Die DFGE ist Learning Partner der Retail Impact Initiative
Lieferanten müssen diesen Weg nicht allein gehen. Im Rahmen der erweiterten strategischen Partnerschaft mit EcoVadis übernimmt die DFGE exklusiv die Rolle des Learning Partners der Retail Impact Initiative. Konkret heißt das:
- Supplier-Webinare zu EcoVadis-Themen: Die DFGE führt die Lieferantenwebinare der Initiative durch – von der EcoVadis-Methodik und dem Ablauf des Bewertungsprozesses bis zu den Anforderungen der vier Themenbereiche und typischen Stolperfallen in der Nachweisführung.
- Workshops und Capacity Building: Vertiefende Formate für Lieferanten, die über die Erstbewertung hinaus gezielt Punkte und Prozessqualität aufbauen wollen.
- Maßnahmenpläne: Unterstützung bei der Übersetzung von Scorecard-Ergebnissen in konkrete, priorisierte Verbesserungsschritte – statt einer Liste offener Punkte.
Diese Trainings- und Schulungslösungen sind Teil unseres Leistungsbereichs Supply Chain Engagement. Dort bündeln wir alles, was Lieferantenbefähigung ausmacht: Lieferanten-Assessment und Screening, Strategieentwicklung, EcoVadis-Integration in das Lieferantenmanagement, Scope-3-Management sowie Schulung und Capacity Building.
Der Ansatz ist erprobt – auch außerhalb des Handels. Jule Homfeldt, Sustainability Manager bei Siemens Gamesa Renewable Energy, beschreibt es so: „Die maßgeschneiderten Webinare boten unseren Lieferanten praktische Anleitungen zu den Anforderungen von EcoVadis und zu Verbesserungsmöglichkeiten im Bereich Nachhaltigkeit und trugen so zu einer messbaren Steigerung der EcoVadis-Leistung in unserem gesamten Lieferantenstamm bei.“
Für Lieferanten der RII-Mitglieder ergibt sich daraus ein praktischer Vorteil: Die Stelle, die die Webinare hält, ist dieselbe, die auch individuell weiterhelfen kann, wenn es über das Webinar hinausgeht.
Einen Überblick über kommende Termine finden Sie unter Webinare & Trainings.
Der nächste blinde Fleck: Product Carbon Footprints
Während viele Unternehmen mittlerweile ihren Corporate Carbon Footprint (CCF) kennen, rücken zunehmend die Emissionen einzelner Produkte in den Fokus.
Genau hier beginnt für viele Lieferanten eine neue Herausforderung.
Denn Handelsunternehmen möchten künftig nicht nur wissen, wie klimafreundlich ein Unternehmen insgesamt ist. Sie interessieren sich zunehmend für die Klimawirkung konkreter Produkte und Sortimente.
Die entscheidende Frage lautet: Wie hoch ist der CO₂-Fußabdruck eines einzelnen Produkts?
Product Carbon Footprints (PCF) liefern die Antwort.
Aktuell verfügen jedoch viele Unternehmen weder über die notwendigen Daten noch über die internen Prozesse, um diese Informationen belastbar bereitzustellen.
Damit entsteht ein neuer blinder Fleck in der Nachhaltigkeitsberichterstattung vieler Lieferanten. Wie sich PCF-Anforderungen in der Breite eines Lieferantenstamms umsetzen lassen, zeigt unsere Case Study mit ZF Friedrichshafen.
Warum der Druck weiter steigen wird
Die Anforderungen des Handels entstehen nicht im luftleeren Raum.
Mit CSRD, CSDDD, der EU-Entwaldungsverordnung und dem zukünftigen Digitalen Produktpass wächst der regulatorische Druck entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Auch Unternehmen, die selbst nicht unmittelbar von diesen Regelwerken betroffen sind, werden die Auswirkungen spüren.
Denn Handelsunternehmen müssen künftig deutlich mehr Informationen über ihre Lieferketten, Produkte und Nachhaltigkeitsleistungen erfassen und werden entsprechende Daten bei ihren Lieferanten anfragen.
Viele Anforderungen von morgen beginnen daher als Kundenanfrage von heute.
Was Lieferanten jetzt tun sollten
Aus unserer Sicht sollten Handelslieferanten aktuell fünf Prioritäten setzen:
- Nachhaltigkeitsverantwortlichkeiten klar definieren
- ESG-Daten systematisch erfassen und zentral verwalten
- Eine belastbare EcoVadis-Bewertung aufbauen und die Schulungsangebote der Initiative nutzen
- Erste Product Carbon Footprints berechnen
- Klimaziele und Reduktionsmaßnahmen entwickeln
Wichtig dabei: Nicht jedes Thema muss sofort vollständig umgesetzt werden.
Entscheidend ist, die Grundlagen zu schaffen, auf denen zukünftige Anforderungen aufbauen können.
Wie die DFGE unterstützen kann
Seit vielen Jahren begleitet die DFGE Unternehmen der Lebensmittelindustrie und des Handels bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsanforderungen.
Wir unterstützen unsere Kunden unter anderem bei EcoVadis-Bewertungen, Corporate und Product Carbon Footprints, Klimastrategien sowie bei der Vorbereitung auf regulatorische Anforderungen und neue Handelsinitiativen.
Unser Ziel dabei: Komplexe ESG-Anforderungen in pragmatische und umsetzbare Schritte zu übersetzen – damit Nachhaltigkeit nicht zum Bürokratieprojekt wird, sondern echten Mehrwert für Unternehmen schafft.
Weitere Informationen finden Sie auch auf unserer Seite Nachhaltigkeit im LEH.
Kontaktieren Sie uns für eine individuelle Beratung: oder telefonisch unter 08192-99733-20 für weitere Informationen.








