Die erstmalige Auswertung der Communication on Progress (CoP) Berichte des UN Global Compact Netzwerk Deutschland (UNGC) liefert einen aufschlussreichen Einblick in den Status quo der Nachhaltigkeitsumsetzung in deutschen Unternehmen. Grundlage der Analyse sind 715 CoP-Berichte aus dem Jahr 2025 deutscher Unternehmen. Die Auswertung über die vier Themenfelder Governance, Umwelt, Menschenrechte & Arbeitsnormen sowie Korruptionsprävention verdeutlicht, dass Nachhaltigkeit in vielen Unternehmen inzwischen deutlich stärker strategisch verankert ist als noch vor wenigen Jahren. Grundlegende Richtlinien, Programme und Managementansätze sind inzwischen vorhanden. Zugleich bestehen zwischen formaler Verankerung und operativer Umsetzung sowie Steuerung weiterhin deutliche Lücken. Besonders deutlich zeigt sich das in den Bereichen Lieferkette, Scope-3-Emissionen, menschenrechtliche Sorgfalt und Transparenz bei Compliance-Strukturen.
Was ist die Communication on Progress (CoP)?
Die Communication on Progress (CoP) ist der jährliche Fortschrittsbericht des UN Global Compact. Unternehmen berichten darin, wie sie die zehn Prinzipien des UN Global Compact in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsprävention umsetzen.
Governance: Nachhaltigkeit braucht belastbare Sorgfaltsprozesse
Im Governance-Teil der Auswertung wird ein zentraler Punkt hervorgehoben: Due-Diligence-Prozesse sind ein Schlüsselelement wirksamer nachhaltiger Unternehmensführung. Sie ermöglichen einen systematischen Ansatz zur Vermeidung und Bewältigung tatsächlicher und potenzieller negativer Auswirkungen unternehmerischen Handelns.
Diese Einordnung ist besonders relevant, weil Governance die Grundlage für alle anderen Nachhaltigkeitsthemen bildet. Ohne belastbare Sorgfaltsprozesse lassen sich weder menschenrechtliche Risiken in der Lieferkette noch Umweltauswirkungen oder Compliance-Themen wirksam steuern. Die Auswertung macht damit deutlich, dass Nachhaltigkeit dann strategisch verankert ist, wenn sie nicht nur in Berichten erscheint, sondern Teil von Risikomanagement, Entscheidungsprozessen und Managementsystemen wird.
Für Unternehmen bedeutet das in der Praxis: Wer Nachhaltigkeit ernsthaft steuern will, braucht klare Verantwortlichkeiten, standardisierte Prüfprozesse und eine enge Verzahnung von ESG-Themen mit der allgemeinen Unternehmensführung.
Umwelt: Die größte Herausforderung liegt bei Scope 3
Im Umweltbereich zeigen die CoP-Ergebnisse besonders deutlich, wo viele Unternehmen noch Nachholbedarf haben. Zwar ist das Thema Klimaschutz in der Breite angekommen, doch bei der tatsächlichen Erfassung von Emissionen bestehen weiterhin deutliche Lücken. Vor allem entlang der Wertschöpfungskette.
So haben lediglich 22% der Unternehmen ihre Scope-3-Emissionen teilweise berechnet. Gleichzeitig haben 5% der Unternehmen im Berichtszeitraum überhaupt keine Emissionen berechnet.
Diese Zahlen sind hoch relevant. Denn Scope-3-Emissionen machen in vielen Branchen den größten Teil des CO2-Fußabdrucks aus. Gerade sie sind aber methodisch komplex, datenintensiv und stark von Lieferanten- und Wertschöpfungskettendaten abhängig. Dass erst gut ein Fünftel der Unternehmen hier zumindest teilweise berechnet, zeigt: Viele Unternehmen verfügen noch nicht über ein vollständiges Bild ihrer klimabezogenen Auswirkungen.
Für die Praxis ist das eine entscheidende Erkenntnis. Wer Dekarbonisierung glaubwürdig steuern, Klimaziele ableiten oder Anforderungen aus CSRD erfüllen will, muss über die direkten Emissionen hinausgehen. Die eigentliche Herausforderung liegt nicht mehr nur im eigenen Betrieb, sondern in den vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsstufen.
Korruptionsprävention: Programme sind oft vorhanden, aber nicht immer durchgängig wirksam
Ein relativ hoher Reifegrad zeigt sich zunächst im Bereich Korruptionsprävention und Compliance. Die Auswertung belegt, dass viele Unternehmen ihre Programme bereits auf hoher Ebene verankert haben:
- 89% der Compliance- bzw. Korruptionspräventionsprogramme sind auf höchster Unternehmensebene genehmigt.
- 72% werden auf den eigenen Betrieb angewendet.
- 48% der Korruptionspräventionsprogramme sind öffentlich zugänglich.
Diese Zahlen erlauben eine differenzierte Einordnung. Positiv ist zunächst, dass fast neun von zehn Programmen auf oberster Ebene freigegeben sind. Das spricht dafür, dass Korruptionsprävention in vielen Unternehmen kein Randthema mehr ist, sondern auf Managementebene anerkannt wird.
Gleichzeitig zeigt die Zahl von 72%, dass zwischen formaler Verabschiedung und tatsächlicher Anwendung im Unternehmen noch eine spürbare Lücke besteht. Noch deutlicher wird das bei der Transparenz: Weniger als die Hälfte der Programme ist öffentlich zugänglich. Das ist relevant, weil Stakeholder heute zunehmend nachvollziehen wollen, welche Standards Unternehmen nicht nur intern setzen, sondern auch nach außen verbindlich kommunizieren.
Die Schlussfolgerung ist demnach, dass Compliance-Strukturen in vielen Unternehmen vorhanden sind. Die nächste Entwicklungsstufe liegt aber in ihrer konsequenten Durchdringung, operativen Anwendung und transparenten Kommunikation.
Menschenrechte und Arbeitsnormen: Breite Policy-Landschaft, aber Umsetzung bleibt die entscheidende Frage
Im Bereich Menschenrechte und Arbeitsnormen zeigt die Auswertung, dass viele Unternehmen bereits Richtlinien und Policies zu zentralen sozialen Themen etabliert haben. Dazu zählen unter anderem:
- Sicheres und gesundes Arbeitsumfeld
- Verbot der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf
- Rohstoffbeschaffung
- Gleichstellung der Geschlechter und Frauenrechte
- Digitale Sicherheit und Privatsphäre
- Rechte benachteiligter Gruppen und Minderheiten
Das ist ein wichtiges Signal. Denn es zeigt, dass Unternehmen menschenrechtliche Verantwortung heute deutlich breiter verstehen als früher. Es geht nicht mehr nur um klassische Arbeitsschutzthemen, sondern zunehmend auch um Fragen der Gleichstellung, den Schutz vulnerabler Gruppen, digitale Rechte und Risiken in globalen Beschaffungsstrukturen.
Gleichzeitig lässt sich aus der Auswertung ableiten, dass die bloße Existenz von Policies noch keinen belastbaren Nachweis für Wirksamkeit darstellt. Entscheidend ist, ob diese Vorgaben tatsächlich in Prozesse übersetzt werden, wie z.B. in Einkauf, Lieferantenmanagement, Beschwerdemechanismen, Risikoanalysen und Kontrollsystemen. Gerade bei Themen wie Rohstoffbeschaffung oder den Rechten benachteiligter Gruppen zeigt sich, dass die eigentliche Herausforderung in der praktischen Umsetzung entlang komplexer Wertschöpfungsketten liegt.
Fazit: Strukturen sind vorhanden, die Umsetzungstiefe variiert
Über alle vier Themenfelder hinweg ergibt sich ein konsistentes Bild: Viele deutsche Unternehmen haben Nachhaltigkeit inzwischen organisatorisch erfasst. Sie verfügen über Richtlinien, Programme und erste Managementansätze. Gleichzeitig bleibt die Umsetzungstiefe sehr unterschiedlich. Dies wird besonders an drei Punkte deutlich:
- Formale Verankerung ist nicht gleich operative Wirksamkeit.
Die Genehmigung eines Programms auf oberster Unternehmensebene ist ein wichtiger Schritt, aber noch kein Beleg dafür, dass dieses Programm im Alltag konsequent angewendet wird. - Die größten Herausforderungen liegen außerhalb des direkten Betriebs.
Ob Scope-3-Emissionen, Rohstoffbeschaffung oder menschenrechtliche Sorgfalt – viele wesentliche Nachhaltigkeitsthemen betreffen die Lieferkette und damit Bereiche, in denen Datenverfügbarkeit, Einflussmöglichkeiten und Steuerbarkeit begrenzt sind. - Governance entscheidet über den Reifegrad.
Unternehmen, die Nachhaltigkeit über Due-Diligence-Prozesse, Managementsysteme und klare Verantwortlichkeiten verankern, schaffen die Grundlage dafür, ESG nicht nur zu dokumentieren, sondern tatsächlich zu steuern.
Was Unternehmen jetzt daraus ableiten sollten
Die UNGC-CoP-Auswertung 2025 zeigt klar, wo die nächsten Entwicklungsschritte liegen. Für Unternehmen kommt es nun darauf an,
- Nachhaltigkeit stärker in Governance- und Risikoprozesse zu integrieren
- Scope-3-Daten systematisch aufzubauen
- Menschenrechtliche und umweltbezogene Sorgfalt in der Lieferkette zu vertiefen
- Compliance-Programme breiter anzuwenden und transparenter zu machen
- Von der Policy-Ebene zur messbaren Wirkung zu kommen
Gerade mit Blick auf CSRD, Lieferkettenanforderungen und steigende Erwartungen von Investoren, Kunden und Geschäftspartnern wird deutlich: Nachhaltigkeit muss künftig stärker gesteuert, gemessen und überprüfbar gemacht werden.
Die CoP-Auswertung des UN Global Compact Netzwerk Deutschland macht Mut, weil sie zeigt, dass Nachhaltigkeit in deutschen Unternehmen längst kein Nischenthema mehr ist. Zugleich macht sie aber auch sichtbar, dass viele Unternehmen sich noch in einer Übergangsphase von der formalen Verankerung hin zur wirksamen operativen Umsetzung befinden. Die eigentliche Herausforderung für Unternehmen liegt jetzt darin, die vorhandenen Grundlagen in belastbare Steuerung, valide Daten und wirksame Prozesse zu übersetzen.
Wie DFGE Unternehmen dabei unterstützt
Die DFGE unterstützt Sie dabei, regulatorische Anforderungen sicher zu erfüllen und Nachhaltigkeit wirksam im Unternehmen zu verankern. Sie möchten wissen, wo Ihr Unternehmen im Vergleich steht und welche nächsten Schritte jetzt entscheidend sind? Dann kontaktieren Sie und unter www.dfge.de oder direkt per E-Mail: / Telefon: 08192-99733-20.








