1. Hintergrund
Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) wird von vielen Unternehmen als eine enorme Herausforderung wahrgenommen. Einige fragen sich, ob eine detaillierte Berichterstattung über Wasserressourcen überhaupt notwendig ist, insbesondere da bereits umfangreiche Berichte zu Klimaauswirkungen existieren. Die Antwort ist eindeutig: Ja!
Laut dem neuesten UN-Bericht von 2025 befinden wir uns nicht auf dem richtigen Weg, um das SDG 6 (Sauberes Wasser und Sanitation) bis 2030 zu erreichen. Prognosen der Vereinten Nationen zeigen, dass ab 2030 ein weltweiter Wassermangel droht, der nicht nur soziale und gesundheitliche Folgen haben wird, sondern auch ein erhebliches Risiko für die Industrie darstellt. In vielen europäischen Ländern werden bis zu 40 % der gesamten Wasserentnahme für industrielle Zwecke genutzt. Unternehmen müssen sich dieser Risiken bewusst werden und Maßnahmen zur effizienteren Wassernutzung ergreifen.
Der Standard ESRS E3 der CSRD fördert Transparenz zur Wassernutzung in Unternehmen. Er enthält konkrete Anforderungen zur Berichterstattung über Management von Auswirkungen, Risiken, Chancen, sowie Parameter und Ziele im Bereich Wasser- und Meeresressourcen.
2. Inhalte des E3-Standards – Wasser- und Meeresressourcen
E3 ist der kleinste Umweltstandard innerhalb des ESRS-Rahmens mit 5 Disclosure Requirements (Auswirkungen, Risiken und Chancen sowie Strategien, Maßnahmen, Ziele und Parameter), die 48 Datenpunkte enthalten. Trotz seiner Größe spielt es immer noch eine entscheidende Rolle bei der Verwaltung von Wasser- und Meeresressourcen.
Im Folgenden werden die wichtigsten Inhalte dieses Standards kurz dargestellt.
Auswirkungen, Risiken und Chancen (im Zusammenhang mit dem ESRS 2 IRO-1)
Diese Disclosure Requirement fordert die Offenlegung der Prozesse, mit denen ein Unternehmen die Auswirkungen, Risiken und Chancen im Zusammenhang mit Wasser identifiziert. Dabei muss dargelegt werden, inwieweit relevante Stakeholder, insbesondere lokal betroffene Bevölkerungsgruppen, in diesen Prozess eingebunden sind. Die Beschreibung soll sich auf die durchgeführte doppelte Wesentlichkeitsanalyse stützen.
E1-1 Strategien im Zusammenhang mit Wasser- und Meeresressourcen
Diese Disclosure Requirement fordert die Offenlegung der Unternehmensrichtlinien zum Management von wasserbezogenen Auswirkungen, Risiken und Chancen. Unternehmen müssen angeben, ob ihre Richtlinien Aspekte des Wassermanagements abdecken, einschließlich der Wassernutzung für Geschäftsaktivitäten, Wasseraufbereitung zur Ressourcenschonung und Maßnahmen zur Vermeidung von Wasserverschmutzung. Zudem soll dargelegt werden, ob und wie Wassereffizienz im Produktdesign berücksichtigt wird. Falls das Unternehmen Standorte in wasserknappen Regionen betreibt, muss erläutert werden, wie dort mit Wasser umgegangen wird. Falls relevant, sind auch spezifische Richtlinien zur nachhaltigen Nutzung von Meereswasser offenzulegen.
E3-2 Maßnahmen und Mittel im Zusammenhang mit Wasser- und Meeresressourcen
Diese Disclosure Requirement fordert die Offenlegung aller Aktivitäten und Maßnahmen des Unternehmens zur Erreichung seiner Wasserziele. Dabei soll dargelegt werden, inwiefern diese Maßnahmen der Abhilfemaßnahmenhierarchie folgen, also Vermeidung, Minimierung, Wasserwiederverwendung und Wiederherstellung aquatischer Ökosysteme umfassen. Besonders relevant sind Maßnahmen, die darauf abzielen, die Wassernutzung in wasserknappen Regionen zu reduzieren.
E3-3 Ziele im Zusammenhang mit Wasser- und Meeresressourcen
Diese Disclosure Requirement fordert die Offenlegung und Beschreibung der Wasserziele des Unternehmens. Dabei muss dargelegt werden, ob und inwiefern diese Ziele an ökologische Schwellenwerte gebunden sind und in welchem Zusammenhang sie mit globalen oder nationalen Rahmenwerken und Gesetzen stehen. Zudem soll angegeben werden, ob die Ziele speziell das Wassermanagement an Standorten in wasserknappen Regionen adressieren und wie der Umgang mit marinen Ressourcen geregelt ist.
E3-4 Parameter: Wasserverbrauch
Diese Disclosure Requirement fordert die Offenlegung detaillierter Daten zur Wassernutzung des Unternehmens. Dazu gehören der Gesamtwasserverbrauch, der Verbrauch in wasserknappen Regionen, das Volumen an recyceltem oder wiederverwendetem Wasser, die Größe der Wasserspeicher sowie Daten zur Wasserqualität. Zudem muss die Methodik zur Datensammlung beschrieben werden. Ein Wasserintensitäts-Indikator ist ebenfalls anzugeben, der den Gesamtverbrauch in Relation zu den Netto-Einkünften setzt.
E3-5 Erwartete finanzielle Auswirkungen durch wesentliche Risiken und Chancen im Zusammenhang mit Wasser- und Meeresressourcen
Diese Disclosure Requirement fordert die Offenlegung der erwarteten finanziellen Risiken, die sich aus den identifizierten wasserbezogenen Auswirkungen und Abhängigkeiten ergeben. Unternehmen müssen darlegen, wie sich diese Risiken kurz-, mittel- und langfristig auf ihre Vermögens-, Finanz- und Ertragslage auswirken oder voraussichtlich auswirken werden. Die Angaben sollten möglichst quantifiziert werden. Falls eine Quantifizierung aufgrund unangemessener Kosten oder Aufwände nicht möglich ist, sind in den ersten drei Berichtsjahren auch qualitative Informationen zulässig.
3. Einschätzung der Wesentlichkeit
Die Wesentlichkeit ist für alle Unternehmen offensichtlich, die Wasser in der Produktion einsetzen. Allerdings sind sich, nach einer McKinsey Studie, eher weniger Unternehmen die damit verbundenen Risiken bewusst[1]. Nach derselben Studie wird die Wassernachfrage das Angebot bis 2030 um 40% übersteigen und die Hälfte der globalen Bevölkerung wird in wasserknappen Regionen leben. Die Industrie wird auf einer Art und Weise davon betroffen sein, die heute vielleicht noch nicht offensichtlich ist. Viele Industriesektoren wie die Lebensmittel- und Getränkebranche, Energieproduzenten, der Bergbau, der Hochtechnologiesektor oder die Papierhersteller sind von Wasser extrem abhängig und den Risiken der Wasserknappheit direkt ausgesetzt. Wasser ist aber auch für viele andere Unternehmen wichtig, die es indirekt für Kühlung oder Heizung, Transport oder für die Reinigung nutzen. Auch werden Risiken entlang der Wertschöpfungskette entstehen, weil viele Lieferanten von Wasser als Inputressource abhängig sind.
DFGE Ansatz
Wie abhängig ist Ihr Unternehmen vom Wasser und welche Risiken entstehen dadurch? Vielen Unternehmen fehlt dieses Verständnis und DFGE bietet hier Unterstützung durch eine erste Wesentlichkeitsanalyse, die auch Rücksicht auf Abhängigkeiten nimmt. Wir erläutern die Anforderungen aus CSRD und evaluieren Ihre aktuellen Richtlinien und Maßnahmen, um Lücken aufzudecken, aber auch um vorhandene Maßnahmen zu identifizieren, die für die Wassernutzung relevant sein können. Anschließend erstellen wie einen priorisierten Fahrplan, um die Herausforderungen der CSRD rechtzeitig zu bewältigen. Bei Fragen kontaktieren Sie uns gerne via oder telefonisch 08192-99733-20.
Quellen:
UN World Water Development Report 2025 | UN-Water
ANNEX I EUROPEAN SUSTAINABILITY REPORTING STANDARDS, Ref. Ares(2023)4009405 – 09/06/2023
[1] https://www.mckinsey.com/~/media/mckinsey/dotcom/client_service/Sustainability/PDFs/Report_Large_Water_Users.aspx