Die EU verfolgt mit dem Green Deal und ihrer Circular Economy Strategie eine klare Vision: Produkte sollen künftig langlebiger, reparierbarer und ressourcenschonender sein [1]. Ein zentrales Instrument, um dieses Ziel zu erreichen, ist der digitale Produktpass (Digital Product Passport, DPP) [2]. Er soll umfassende und standardisierte Informationen zu Materialien, Komponenten, Herkunft, Haltbarkeit, Reparierbarkeit, CO₂-Emissionen und Recyclingfähigkeit bereitstellen und so für Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette sorgen.
Hintergrund und Ziele: Transparente Daten entlang der Wertschöpfungskette
Der digitale Produktpass ist ein datenbasiertes Informationssystem, das entlang der Wertschöpfungskette alle relevanten Produktinformationen bündelt. Von Herstellern über Händler bis hin zu Verbrauchern sollen so alle Beteiligten nachvollziehen können, wie nachhaltig und kreislauffähig ein Produkt wirklich ist.
Der DPP wird damit zum Bindeglied zwischen ökologischer Verantwortung, Transparenz und digitaler Innovation. Vorgesehen ist, dass jede Produktkategorie, von Elektronik über Textilien bis hin zu Baustoffen, eigene Datenanforderungen erhält, etwa zu:
- Materialzusammensetzungen und Lieferketten,
- Umweltauswirkungen und CO₂-Bilanz,
- Energie- und Ressourceneffizienz,
- Reparatur-, Wiederverwendungs- und Recyclingoptionen.
Diese Informationen werden künftig entscheidend sein, um gesetzliche Vorgaben, wie die Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) [3,4], zu erfüllen.
Zeitplan: Roadmap für Unternehmen: Die nächsten Schritte zur Umsetzung
Der DPP wird schrittweise im Rahmen der ESPR eingeführt [3]. Nach der politischen Einigung 2024 startete ab 2025 die Umsetzung für erste Produktgruppen wie Batterien, Textilien und Elektronik. In den folgenden Jahren werden weitere Sektoren einbezogen, etwa Möbel, Verpackungen oder Bauprodukte. Ab 2026 wird es ein Vernichtungsverbot für bestimmte unverkaufte Konsumgüter geben.
Zwischen 2027 und 2029 ist eine schrittweise Ausweitung auf nahezu alle relevanten Produktkategorien vorgesehen. Bis 2030 soll der digitale Produktpass flächendeckend in der EU etabliert sein und vollständig in Kreislaufwirtschafts- und Nachhaltigkeitsstrategien integriert werden.

Abbildung 1: Zeitstrahl Digitaler Produktpass
Herausforderungen und Chancen: Der Weg zur datengetriebenen Kreislaufwirtschaft
Für Unternehmen bedeutet der DPP nicht nur eine regulatorische Verpflichtung, sondern auch eine Chance zur Differenzierung:
- Höhere Transparenz: Unternehmen können Nachhaltigkeitsversprechen nachvollziehbar belegen und somit Transparenz gegenüber Kundinnen und Kunden schaffen.
- Effizientere Kreislaufwirtschaft: Mit klar definierten Material- und Produktdaten können Komponenten leichter wiederverwendet oder recycelt werden und langfristig effizientere Prozesse in der Kreislaufwirtschaft etablieren.
- Digitale Innovation: Die Kombination aus Produktdatenmanagement, Blockchain und Internet of Things eröffnet neue Services zum Beispiel digitale Nachweise für CO₂-Emissionen und belastbaren Daten für Nachhaltigkeitsberichte.
Hier wird die enge Verbindung zur Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) deutlich [5]: Beide Initiativen zielen darauf ab, Nachhaltigkeitsinformationen datenbasiert, vergleichbar und verifizierbar zu machen.
Trotz der Chancen bestehen noch einige Hürden in Bezug auf den DPP:
- Fehlende einheitliche Datenstandards: Einheitliche Vorgaben zu Format, Umfang und Struktur der Produktdaten fehlen bislang. Die EU erarbeitet derzeit entsprechende Leitlinien, die ursprünglich bis Ende 2025 vorliegen sollten. Ziel ist es, verbindlich festzulegen, welche Informationen für unterschiedliche Produktgruppen verpflichtend im digitalen Produktpass enthalten sein müssen, etwa zu Materialien, Herkunft, Energieverbrauch oder Recyclingfähigkeit.
- Aufbau von Schnittstellen und IT-Infrastrukturen: Damit Daten entlang der gesamten Wertschöpfungskette interoperabel und sicher ausgetauscht werden können, müssen technische Schnittstellen geschaffen und digitale Infrastrukturen standardisiert aufgebaut werden. Dies erfordert Investitionen in Systemarchitektur, Datensicherheit und Kompatibilität zwischen Branchenlösungen.
- Datenschutz und Eigentumsrechte: Noch nicht abschließend geklärt ist, wem die im Produktpass hinterlegten Daten gehören und wer sie unter welchen Bedingungen nutzen darf. Fragen zu geistigem Eigentum, Betriebsgeheimnissen und Datenschutz stellen eine wesentliche Hürde bei der praktischen Umsetzung dar.
- Technischer und organisatorischer Aufwand: Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind mit erheblichem Aufwand konfrontiert, um technische Systeme, Datenmanagementprozesse und Lieferketteninformationen an die neuen Anforderungen anzupassen. Unterstützung durch branchenspezifische Standards und Förderprogramme ist daher zentral, um die Umsetzung zu erleichtern.
Mit Blick auf den DPP werden Kooperationen entscheidend: Unternehmen müssen über Branchen hinweg einheitliche Lösungen entwickeln, um den Aufwand beherrschbar zu halten und Vertrauen in den Umgang mit sensiblen Daten zu schaffen.
Fazit: Ein digitaler Produktpass als Datenbrücke zwischen Nachhaltigkeit und Innovation
Der digitale Produktpass ist mehr als nur ein weiteres Compliance-Instrument. Er ist ein Schlüssel, um Kreislaufwirtschaft, Transparenz und Nachhaltigkeit greifbar zu machen und bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Verantwortung durch messbare Daten zu belegen.
DFGE – Institute for Energy, Ecology and Economy unterstützt Unternehmen dabei, Nachhaltigkeitsstrategien, Datenmanagement und Reportingprozesse auf die kommenden Anforderungen vorzubereiten. Damit kann der digitale Produktpass zu einem echten Werkzeug für nachhaltige Wertschöpfung werden. Der Schwerpunkt liegt dabei nicht nur auf regulatorischen Anforderungen, sondern insbesondere auf den Auswirkungen auf Ihr Geschäft, dem Wertschöpfungspotenzial für Ihr Unternehmen sowie die Entwicklung einer resilienten Strategie.
Wir unterstützen Ihr Unternehmen gerne bei diesem wichtigen Thema. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an oder telefonisch unter +49 8192 99733-20.
Quellen
[1] EU Green Deal (2025): https://commission.europa.eu/strategy-and-policy/priorities-2019-2024/european-green-deal_de
[2] Digitaler Produktpass (2025): https://www.bundesumweltministerium.de/faq/was-ist-ein-digitaler-produktpass
[3] DFGE (2025): https://dfge.de/die-stille-revolution-im-produktdesign-was-die-espr-wirklich-veraendert/
[5] DFGE (2025): https://dfge.de/esrs-ueberarbeitung-was-bedeutet-der-neue-efrag-status-fuer-den-mittelstand/








