Ein Blogpost von Lukas Wilke & Simon Böhmer
Viele mittelständische Unternehmen beschäftigen sich bereits intensiv mit EcoVadis – sei es aufgrund von Kundenanforderungen, Handelsinitiativen oder Nachhaltigkeitszielen.
Weniger bekannt ist, dass genau diese Arbeit auch beim geplanten VS-Standard von Vorteil sein kann. Mit dem Voluntary Standard (VS) entwickelt die EU derzeit einen Berichtsrahmen, der künftig als empfohlener Berichtsstandard für Unternehmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitenden dienen soll.
Auch wenn der Standard noch nicht final veröffentlicht wurde, zeichnet sich bereits ab, dass viele der geforderten Inhalte auf denselben Grundlagen aufbauen wie eine erfolgreiche EcoVadis-Bewertung: klare Verantwortlichkeiten, dokumentierte Richtlinien, ESG-Kennzahlen und Klimadaten sowie konkrete Maßnahmen für Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen.
Für Unternehmen bedeutet das: Wer heute in eine belastbare EcoVadis-Bewertung investiert, schafft gleichzeitig eine wichtige Datengrundlage für den zukünftigen VS-Bericht. Statt ESG-Daten mehrfach aufzubereiten, können viele Informationen, Nachweise und Prozesse künftig für beide Anforderungen genutzt werden.
Der VS-Bericht: Orientierung für Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitenden
Mit dem VS hat die europäische Berichterstattungslandschaft einen speziell auf Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitende zugeschnittenen Nachhaltigkeitsstandard geschaffen.
Ziel ist es, nachhaltigkeitsrelevante Informationen des Unternehmens strukturiert, nachvollziehbar und vergleichbar bereitzustellen – ohne den Umfang und die Komplexität der vollständigen CSRD-Berichterstattung.
In unserem Blogbeitrag „Vorbereitung auf VS und ESRS – Was jetzt zu tun ist“ haben wir bereits erläutert, warum sich Unternehmen frühzeitig mit dem Thema beschäftigen sollten, wer betroffen ist und welche Vorteile sich daraus ergeben.
Der entscheidende Punkt: Auch Unternehmen, die nicht unmittelbar berichtspflichtig sind, erhalten zunehmend Anfragen von Kunden, Banken oder Geschäftspartnern in Bezug auf Nachhaltigkeits- und Resilienzbemühungen. Der VS-Bericht kann hier eine einheitliche Antwort auf viele dieser Anforderungen liefern.
Warum EcoVadis ein idealer Ausgangspunkt ist
Viele Unternehmen betrachten EcoVadis und Nachhaltigkeitsberichterstattung als zwei getrennte Themen. In der Praxis bestehen jedoch erhebliche Überschneidungen.
Sowohl EcoVadis als auch der VS-Bericht beschäftigen sich mit Fragen wie:
- Nachhaltigkeitsstrategien und Verantwortlichkeiten
- Managementsysteme zu Umwelt, Arbeit, Compliance und nachhaltige Beschaffung
- Maßnahmen, die nachhaltigkeitsrelevante Risiken, Chancen und Auswirkungen des Unternehmens adressieren
- Kennzahlen und quantitative Ziele zur Messung und Bewertung des Fortschritts
Unternehmen, die bereits eine EcoVadis-Bewertung durchgeführt haben, verfügen häufig über Richtlinien, Prozesse, Kennzahlen und Dokumentationen, die direkt für einen VS-Bericht genutzt werden können.Der Aufwand reduziert sich dadurch erheblich.
Tatsächlich haben wir bereits in unserem Blogpost „VSME und EcoVadis – Synergien aus Reporting und Rating für KMU“ aufgezeigt, wie sehr sich der VSME (der Vorgänger des VS) und EcoVadis in Ihren Informationsanforderungen ähneln. Die Analyse eines Beispielunternehmens (Maschinenbau, Größe M) mit bestehender EcoVadis-Bewertung zeigt, dass für die VSME-Berichterstattung bereits große Teile aus den erarbeiteten Inhalten für das Rating inhaltlich übernommen werden können: Besonders ausgeprägt ist die Übereinstimmung in den Themenfeldern Umwelt (79 %) sowie Arbeits- und Menschenrechte (59%). Informationen zu Richtlinien, Maßnahmen, Prozessen und Kennzahlen lassen sich also zu großen Teilen doppelt nutzen.
Statt Informationen zu Nachhaltigkeit und Resilienz mehrfach für unterschiedliche Anforderungen aufzubereiten, können vorhandene Daten und Nachweise also gezielt weiterverwendet werden.
Auch umgekehrt entstehen Vorteile
Die Synergien funktionieren jedoch nicht nur in eine Richtung. Ein strukturierter VS-Bericht schafft Transparenz über ESG-Themen, Verantwortlichkeiten und Kennzahlen im Unternehmen. Dadurch entstehen genau die strukturellen Grundlagen im Unternehmen, die wichtig sind, um Nachhaltigkeits- und Resilienzthemen effektiv und finanzwirksam im Unternehmen zu steuern, – und die letztlich auch für eine erfolgreiche EcoVadis-Bewertung wichtig sind.
In anderen Worten, der VS-Bericht kann wichtige Transformationsprozesse im Unternehmen anstoßen, indem er die Aufmerksamkeit lenkt auf:
- Welche Richtlinien noch fehlen
- Welche Kennzahlen bislang nicht erhoben werden
- Wo Verantwortlichkeiten unklar sind und
- Welche Prozesse dokumentiert werden sollten
Diese Erkenntnisse helfen nicht nur bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung, sondern wirken sich häufig auch positiv auf zukünftige EcoVadis-Bewertungen aus.
Statt Einzelprojekte: Managementsystem für Nachhaltigkeit und Resilienz schaffen
Aus unserer Erfahrung liegt die größte Herausforderung nicht in einzelnen Ratings oder Berichten. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, nachhaltige Managementstrukturen aufzubauen.
Unternehmen profitieren am meisten, wenn sie ESG-Bemühungen nicht als separate Projekte behandeln, sondern als zusammenhängendes System verstehen.
Die gleichen Daten werden künftig für unterschiedliche Zwecke benötigt:
- EcoVadis
- Kundenanfragen
- Nachhaltigkeitsberichte
- Klimabilanzen
- regulatorische Anforderungen
- Finanzierungs- und Bankenanfragen
Wer diese Informationen strukturiert aufbaut, spart langfristig Zeit und Ressourcen.

Fazit
Der VS-Bericht und EcoVadis sind keine konkurrierenden Anforderungen. Im Gegenteil: Beide Themen ergänzen sich in vielen Bereichen und bauen auf denselben Informationsgrundlagen auf.
Unternehmen, die bereits eine EcoVadis-Bewertung nutzen, verfügen häufig über einen idealen Ausgangspunkt für die Erstellung eines VS-Berichts. Gleichzeitig kann ein strukturierter VS-Bericht dazu beitragen, die Voraussetzungen für eine bessere EcoVadis-Bewertung zu schaffen.
Hinzu kommt, dass sich der VS-Standard und die umfangreicheren ESRS-Berichte als zentrale Nachhaltigkeitsstandards im europäischen Markt etablieren werden. Viele Unternehmen orientieren sich heute noch an Berichtsrahmen wie GRI oder dem UN Global Compact (UNGC). Künftig dürften VS und ESRS jedoch für viele Stakeholder die maßgeblichen Referenzstandards werden und bestehende Berichtsansätze teilweise ablösen oder integrieren.
Wer bereits heute Strukturen aufbaut, die den Anforderungen des VS-Standards entsprechen, schafft deshalb nicht nur eine Grundlage für Kundenanfragen und Ratings, sondern auch für die zukünftige Nachhaltigkeitsberichterstattung.
Wie die DFGE unterstützen kann
Seit vielen Jahren begleitet die DFGE Unternehmen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsanforderungen – von EcoVadis über Klimabilanzen bis hin zur Nachhaltigkeitsberichterstattung.
Dabei erleben wir regelmäßig, dass Unternehmen bereits über deutlich mehr ESG-Informationen verfügen, als ihnen bewusst ist.
Unsere Aufgabe besteht darin, vorhandene Daten, Prozesse und Nachweise systematisch zusammenzuführen, Synergien sichtbar zu machen und daraus einen praktikablen Weg für Nachhaltigkeitsratings und Berichterstattung abzuleiten.
Ob erste Orientierung, Gap-Analyse, EcoVadis-Bewertung oder Erstellung eines VS-Berichts: Wir unterstützen Unternehmen dabei, Unsicherheiten zu beseitigen, Prioritäten zu setzen und den Aufwand so effizient wie möglich zu gestalten.
Kontaktieren Sie uns für eine individuelle Beratung: oder telefonisch unter 08192-99733-20 für weitere Informationen.
FAQ | Häufige Fragen zum VS-Bericht und EcoVadis
EcoVadis und der geplante VS-Bericht basieren in vielen Bereichen auf denselben ESG-Grundlagen. Beide erfordern Informationen zu Richtlinien, Verantwortlichkeiten, Maßnahmen, Kennzahlen und Zielen. Unternehmen, die bereits eine EcoVadis-Bewertung durchgeführt haben, verfügen daher oft über einen Großteil der Daten und Dokumentationen, die auch für einen VS-Bericht benötigt werden.
EcoVadis und der geplante VS-Bericht basieren in vielen Bereichen auf denselben ESG-Grundlagen. Beide erfordern Informationen zu Richtlinien, Verantwortlichkeiten, Maßnahmen, Kennzahlen und Zielen. Unternehmen, die bereits eine EcoVadis-Bewertung durchgeführt haben, verfügen daher oft über einen Großteil der Daten und Dokumentationen, die auch für einen VS-Bericht benötigt werden.
Der VS-Standard wurde speziell für Unternehmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitenden entwickelt. Er soll eine praxisnahe und verhältnismäßige Möglichkeit bieten, Nachhaltigkeits- und Resilienzinformationen strukturiert offenzulegen. Gleichzeitig hilft er Unternehmen dabei, steigende Informationsanforderungen von Kunden, Banken, Investoren und Geschäftspartnern zu erfüllen.
Die Kombination ermöglicht eine effizientere Nutzung von ESG-Daten und reduziert Doppelarbeit. Statt Informationen mehrfach aufzubereiten, können Unternehmen dieselben Daten für Ratings, Berichte, Kundenanfragen, Finanzierungsanfragen und regulatorische Anforderungen nutzen. Gleichzeitig entstehen belastbare Managementstrukturen für Nachhaltigkeit und Resilienz.
Auch wenn der VS noch nicht final verabschiedet ist, entwickeln sich VS und ESRS bereits zu wichtigen Referenzstandards im europäischen Markt. Unternehmen, die frühzeitig Prozesse, Kennzahlen und Verantwortlichkeiten aufbauen, schaffen nicht nur die Grundlage für zukünftige Berichtsanforderungen, sondern verbessern auch ihre Fähigkeit, Kundenanfragen, Lieferkettenanforderungen und Nachhaltigkeitsratings wie EcoVadis effizient zu bedienen.








