Wenn man aktuell mit Nachhaltigkeitsverantwortlichen oder Geschäftsführern in der Lebensmittelbranche spricht, hört man oft denselben Satz:
„Wir wissen, dass das Thema wichtig ist – aber wir verlieren langsam den Überblick.“
Kein Wunder. Handelsunternehmen fragen nach EcoVadis-Bewertungen, Kunden wollen Product Carbon Footprints sehen, neue regulatorische Anforderungen stehen vor der Tür und gleichzeitig fehlen im Alltag oft Zeit und Ressourcen, um alles gleichzeitig anzugehen.
Die gute Nachricht: Nicht jedes Thema muss sofort und bis ins letzte Detail umgesetzt werden.
Aus unserer Arbeit mit Unternehmen der Lebensmittelindustrie und des Handels sehen wir, dass sich viele Anforderungen auf einige wenige Grundlagen zurückführen lassen. Wer diese Hausaufgaben erledigt, schafft die Basis für die meisten ESG-Anforderungen, die 2026 relevant sein werden.
1. Bei EcoVadis nicht nur an die Punktzahl denken
Für viele Lieferanten beginnt die ESG-Reise mit einer EcoVadis-Anfrage des Handels. Entsprechend groß ist oft der Druck, möglichst schnell eine gute Bewertung zu erreichen.
Dabei zeigt unsere Erfahrung: Nicht die Punktzahl ist das eigentliche Thema, sondern die Strukturen dahinter.
EcoVadis bewertet nicht nur, was ein Unternehmen tut, sondern vor allem, ob Nachhaltigkeit systematisch organisiert wird. Gibt es Verantwortlichkeiten? Sind Richtlinien dokumentiert? Werden Ziele verfolgt und Fortschritte gemessen?
Viele mittelständische Unternehmen verfügen bereits über zahlreiche Maßnahmen – sie sind nur nicht ausreichend dokumentiert.
Wer hier Ordnung schafft, kann seine Bewertung häufig schneller verbessern als erwartet.
Unser Tipp: Bevor neue Maßnahmen gestartet werden, lohnt sich ein kritischer Blick auf vorhandene Prozesse, Nachweise und Richtlinien. Oft liegt dort das größte Potenzial.
2. Den ersten Product Carbon Footprint berechnen
Vor einigen Jahren genügte es meist, den Corporate Carbon Footprint (CCF) des Unternehmens zu kennen. Heute interessieren sich immer mehr Handelsunternehmen für die Emissionen einzelner Produkte.
Die Frage lautet nicht mehr nur: Wie klimafreundlich ist das Unternehmen?
Sondern zunehmend: Wie klimafreundlich ist genau dieses Produkt?
Deshalb werden Product Carbon Footprints (PCF) für viele Lieferanten zu einem wichtigen Thema.
Der Einstieg muss dabei nicht kompliziert sein. Niemand benötigt sofort belastbare Berechnungen für das gesamte Sortiment.
Viel sinnvoller ist es, mit einem oder zwei strategisch wichtigen Produkten zu beginnen. Die Ergebnisse zeigen oft sehr schnell, wo die größten Emissionstreiber liegen und wo Verbesserungen tatsächlich Wirkung entfalten.
3. ESG-Daten endlich an einem Ort zusammenbringen
Eine Beobachtung zieht sich durch fast alle Projekte: Die meisten Daten sind bereits vorhanden.
Das Problem ist meist nicht der Datenmangel, sondern die Verteilung.
Energiedaten liegen in der Technik, Lieferanteninformationen im Einkauf, Sozialkennzahlen in der Personalabteilung und Nachhaltigkeitsinformationen irgendwo in Excel-Dateien.
Spätestens wenn mehrere Kunden gleichzeitig Informationen anfordern, wird das zum Problem.
Deshalb gehört der Aufbau eines strukturierten ESG-Datenmanagements zu den wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre.
Denn dieselben Daten werden künftig für EcoVadis, Handelsanfragen, Klimabilanzen, Nachhaltigkeitsberichte und weitere regulatorische Anforderungen benötigt. Wer hier heute investiert, spart morgen erheblichen Aufwand.
4. Lieferketten transparenter machen
Viele mittelständische Unternehmen fragen sich aktuell, ob CSRD oder CSDDD überhaupt direkt für sie gelten.
Die wichtigere Frage lautet oft:
Welche Informationen werden meine Kunden künftig von mir verlangen?
Denn unabhängig davon, ob ein Unternehmen selbst berichtspflichtig ist, werden viele Anforderungen entlang der Lieferkette weitergegeben.
Der Handel benötigt Informationen zu Risiken, Herkunft, Umweltwirkungen und sozialen Standards. Und diese Anfragen werden in den kommenden Jahren eher zunehmen als abnehmen.
Deshalb sollten Unternehmen bereits jetzt damit beginnen, ihre Lieferantenstruktur besser zu verstehen und relevante Nachhaltigkeitsinformationen systematisch zu erfassen.
Wer erst reagiert, wenn die Anfrage auf dem Tisch liegt, gerät schnell unter Zeitdruck.
5. Aus Klimadaten konkrete Ziele machen
Viele Unternehmen haben inzwischen ihren Corporate Carbon Footprint erstellt. Das ist ein wichtiger Schritt – aber eben nur der erste.
Entscheidend wird künftig sein, was aus diesen Daten folgt.
Immer mehr Handelsunternehmen erwarten nachvollziehbare Klimaziele und konkrete Maßnahmen zur Emissionsreduktion. Gleichzeitig entwickelt die Science-Based Targets initiative (SBTi) ihre Anforderungen kontinuierlich weiter.
Für Lieferanten bedeutet das vor allem eines: Die Zeit der reinen Bestandsaufnahme geht langsam zu Ende.
Wer seine größten Emissionstreiber kennt, sollte daraus einen realistischen Reduktionsplan ableiten. Nicht für den Bericht. Sondern für das eigene Unternehmen.
Denn am Ende werden diejenigen Unternehmen im Vorteil sein, die Nachhaltigkeitsdaten nicht nur sammeln, sondern aktiv für ihre Unternehmenssteuerung nutzen.
Fazit
2026 ist nicht das Jahr, in dem jede neue ESG-Anforderung vollständig umgesetzt sein muss.
Es wird vielmehr das Jahr, in dem sich entscheidet, welche Unternehmen die richtigen Grundlagen geschaffen haben.
EcoVadis, Product Carbon Footprints, Lieferkettentransparenz, Klimaziele oder zukünftige Berichtspflichten wirken auf den ersten Blick wie einzelne Themen. In der Praxis greifen sie jedoch ineinander.
Wer jetzt strukturiert vorgeht, reduziert nicht nur den Aufwand für zukünftige Anforderungen des Handels. Er schafft gleichzeitig die Grundlage für belastbare Entscheidungen, effizientere Prozesse und langfristige Wettbewerbsfähigkeit.
Wie die DFGE unterstützen kann
Viele Unternehmen wissen inzwischen sehr genau, welche ESG-Themen auf sie zukommen. Die größere Herausforderung besteht häufig darin, die richtigen Prioritäten zu setzen und aus einzelnen Anforderungen einen praktikablen Fahrplan zu entwickeln.
Genau hier unterstützen wir bei der DFGE seit mehr als 25 Jahren Unternehmen der Lebensmittelindustrie und des Handels.
Ob EcoVadis-Bewertung, Product Carbon Footprint, Corporate Carbon Footprint, Klimastrategie, Lieferkettenanforderungen oder die Vorbereitung auf regulatorische Entwicklungen – unser Ziel ist es, komplexe Anforderungen in konkrete und umsetzbare Schritte zu übersetzen.
Weitere Informationen finden Sie auch auf unserer Seite Nachhaltigkeit im LEH.
Kontaktieren Sie uns für eine individuelle Beratung: oder telefonisch unter 08192-99733-20 für weitere Informationen.








