Ein DFGE-Blogpost zur 10. Ausgabe des EcoVadis Sustainability Ratings Index
Warum diese Ausgabe anders ist
Vor zehn Jahren war Nachhaltigkeit in Lieferketten vor allem eine Frage von Absichtserklärungen und gutem Willen. Als EcoVadis 2015 die erste Ausgabe seines Ratings Index veröffentlichte, war Lieferketten-Nachhaltigkeit fragmentiert, freiwillig und für die meisten Einkaufsteams praktisch unsichtbar.
Zehn Jahre später hat sich das grundlegend geändert. Nachhaltigkeitsratings haben sich von einem Compliance-Werkzeug zu strategischer Infrastruktur für das Lieferkettenmanagement entwickelt. Die 10. Ausgabe des Index stützt sich auf fast 200.000 EcoVadis-Scorecards von über 100.000 bewerteten Unternehmen (2021–2025) – 84 % davon kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit 25 bis 999 Mitarbeitenden, dem operativen Rückgrat globaler Lieferketten .
Die zentrale Botschaft der Jubiläumsausgabe lautet: Das Engagement ist nicht mehr die Lücke. Die Fähigkeit ist es .
Ein Jahrzehnt der Fortschritte – in Zahlen
Der Vergleich zwischen 2015 und 2025 zeigt eine dramatische Reifung des gesamten bewerteten Feldes :
- Gesamtzahl der Ratings: von 10.700 auf 53.400
- Anteil KMU: von 76 % auf 84 %
- Anteil „Advanced+“ (Score 65+): von 3 % auf 29 %
- Durchschnittlicher Gesamtscore: von 42,4 auf 57,1
- Umwelt: von 43,8 auf 59,1
- Arbeit & Menschenrechte: von 44,0 auf 59,5
- Ethik: von 39,3 auf 53,8
- Nachhaltige Beschaffung: von 36,9 auf 47,5
Besonders bemerkenswert: Der Anteil der Unternehmen, die den „Advanced+“-Status erreichen, stieg von 19 % (2024) auf 29 % (2025) – der größte Einzeljahressprung in der zehnjährigen Geschichte des Index .
Die wichtigste Erkenntnis: Engagement zahlt sich aus – und zwar kumulativ
Die Daten zeigen eine klare Zweiteilung des Lieferantenfeldes: eine Gruppe schnell verbessernder Unternehmen und eine deutlich größere Gruppe, die noch am Fundament arbeitet.
- Unternehmen mit erster Bewertung 2025 erreichen im Schnitt 51,5 Punkte.
- Ab der zweiten Bewertung sind es bereits 59,9.
- Unternehmen, die seit 10+ Jahren im EcoVadis-Netzwerk sind, erreichen 63,2 – eine Differenz von fast 12 Punkten .
Bei KMU wird der Effekt besonders deutlich: Erstbewertete kleine Unternehmen erreichen im Schnitt 53,4 Punkte, ab der zweiten Bewertung 60,8 – ein Zuwachs von 7,4 Punkten allein durch fortgesetztes Engagement . Jeder Bewertungszyklus baut Dokumentation auf, verankert Prozesse und macht Nachhaltigkeit zur operativen Routine.
Vier Themen, vier Geschichten
- Arbeit & Menschenrechte ist mit 59,5 Punkten das stärkste Thema 2025 – hier ist Unternehmensgröße am wenigsten aussagekräftig. 44 % der kleinen Unternehmen erreichen hier „Advanced+“ .
- Umwelt verzeichnet mit +9,6 Punkten seit 2021 den größten absoluten Zuwachs; der Advanced+-Anteil verdoppelte sich von 17 % auf 38 % .
- Ethik beschleunigt endlich nach Jahren marginaler Fortschritte – hier sind kleine und große Unternehmen nahezu gleichauf .
- Nachhaltige Beschaffung bleibt das schwächste Thema (nur 19 % Advanced+), ist aber zugleich der schnellste Mover (+4,4 Punkte in 2025) .
Die eigentliche Herausforderung: die Reporting-Lücke
Der rote Faden der gesamten Ausgabe: Unternehmen handeln, aber sie dokumentieren und berichten nicht ausreichend.
- 97 % haben Maßnahmen zu Arbeit & Menschenrechten, aber nur 75 % berichten darüber – eine Lücke von 22 Prozentpunkten .
- Bei Ethik: 80 % haben Maßnahmen, nur 38 % berichten. Bei nachhaltiger Beschaffung: 66 % zu 36 % .
- „Exzellentes“ Reporting liegt über alle Themen hinweg bei unter 1 % – selbst bei den größten Unternehmen .
Besonders kritisch beim Klima: 78 % der Unternehmen fehlen wissenschaftsbasierte Ziele (SBTi) . Scope-3-Reporting fehlt in 73 % (vorgelagert) bzw. 77 % (nachgelagert) der Bewertungen . Und 80 % der Unternehmen haben keine dokumentierte Risikoanalyse ihrer Lieferkette .
Wie EcoVadis-Climate-Ambassador Dexter Galvin es formuliert: „Die Scope-3-Reporting-Lücke ist kein Mangel an Ambition. Es ist ein Problem der Mess-Infrastruktur“ .
Anspruch trifft Realität: die Wahrnehmungslücke
Gelesen zusammen mit dem EcoVadis Sustainable Procurement Barometer 2026 zeigt sich eine konsistente Lücke zwischen dem, was Einkäufer über ihre Programme berichten, und dem, was Lieferantendaten belegen :
- 98 % der Einkäufer beginnen, Lieferanten-ESG-Daten in ihre Beschaffungsprozesse zu integrieren – aber nur 30 % vollständig digital .
- 68 % der Einkäufer setzen bereits KI in ihren Nachhaltigkeitsprogrammen ein .
- Gleichzeitig liefern 30 % der Lieferanten überhaupt keine CO2-Daten, weitere 26 % nur aggregierte Scope-1&2-Werte .
- Nur 41 % der Lieferanten sehen ihre Kunden als „hoch engagiert“ .
KI kann diese Lücke nicht schließen, weil es keine Daten gibt, die validiert werden könnten.
Was das für Ihr Unternehmen bedeutet
Die Botschaft der 10. Ausgabe ist eindeutig: Die nächste Phase der Lieferketten-Nachhaltigkeit wird weniger davon bestimmt, was Unternehmen versprechen, sondern davon, was sie nachweisen können. Co-CEO Pierre-François Thaler bringt es auf den Punkt: „Was die nächste Phase erfordert, ist nicht mehr Ambition – es ist die operative Infrastruktur, die dazu passt: Messsysteme, verifiziertes Reporting und Einkäuferprogramme, die Lieferantenfähigkeit aufbauen, statt sie nur einzufordern“ .
Genau hier setzt die DFGE an: Wir unterstützen Unternehmen dabei, aus operativem Handeln belastbare, verifizierbare Daten zu machen – von SBTi-konformen Klimazielen über Scope-3-Bilanzierung bis zur strukturierten Vorbereitung auf EcoVadis-Bewertungen. Denn der 12-Punkte-Vorsprung erfahrener Unternehmen ist keine Frage des Glücks, sondern das Ergebnis systematischer, wiederholter Arbeit an den richtigen Stellen.
Kontaktieren Sie uns für eine individuelle Beratung: oder telefonisch unter 08192-99733-20 für weitere Informationen.
Quelle: EcoVadis, Sustainability Ratings Index – 10th Edition (Datenbasis 2021–2025). Der Index erscheint gemeinsam mit dem EcoVadis Sustainable Procurement Barometer 2026 (in Zusammenarbeit mit Accenture).








